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33 Frauen, Männer und Kinder erhielten im Stadtschloss ihre Einbürgerungsurkunden

Fulda ist bunt und vielfältig. Wie sehr, das spiegelt sich unter anderem in der Vielzahl von Menschen unterschiedlichster Nationalität wider, die in der Domstadt ihre neue Heimat gefunden haben. Als Geste der Wertschätzung und des Willkommens richtet die Stadt inzwischen seit 15 Jahren mehrmals im Jahr einen Empfang für diejenigen aus, die eingebürgert worden sind. Gemeinsam mit Stadtverordnetenvorsteherin Margarete Hartmann überreichte  Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld im Marmorsaal des Stadtschlosses die Einbürgerungsurkunde an 33 Frauen und Männer. Hartmann, Wingenfeld wie auch der neu gewählte Vorsitzende des Ausländerbeirats Abdulkerim Demir beglückwünschten die Neueingebürgerten zu ihrem Schritt und ermutigten sie, als „Brückenbauer“ die Gesellschaft mitzugestalten.

Willkommen

Aus 15 Ländern stammten die Gäste im Marmorsaal. Die größte Gruppe unter den Eingebürgerten bildeten diesmal Kameruner, Menschen aus der Türkei und Marokko. „Uns freut es, dass so viele die deutsche Staatsbürgerschaft annehmen wollen. Wir heißen sie alle herzlich willkommen“, rief Fuldas Stadtverordnetenvorsteherin den Teilnehmern des Empfangs zu. Fulda sei eine „weltoffene und moderne Stadt“, bekannte sie, in der die Hilfe für andere groß geschrieben und hoch gehalten werde. An ihre Zuhörerinnen und Zuhörer appellierte Hartmann, von allen Bürgerrechten Gebrauch zu machen und Demokratie mitzugestalten, indem man wählen gehe. Auch dem ehrenamtlichen Engagement – beispielsweise als Wahlhelfer – räumte die Christdemokratin breiten Raum in ihrer Rede ein. Leidenschaftlich warb sie ferner für Fulda, denn die Stadt habe „unendlich viel zu bieten.“ „Pflegen Sie die nachbarschaftlichen Kontakte. Es kommt viel Interessantes, Wissenswertes und Neues auf sie zu.“ Im Sinne des gegenseitigen Geben und Nehmens, ließ Hartmann keinen Zweifel daran, dass Deutsche wie Neueingebürgerte viel voneinander lernen könnten.

Bereicherung

Ähnlich äußerte sich Ausländerbeiratsvorsitzender Demir, der von den Neueingebürgerten als einer Bereicherung für die Gesellschaft sprach. „Wenn wir uns weltoffen zeigen, können wir uns gegenüber den Neuzuwanderern besser darstellen“, betonte er,  „wenn wir sie erschrecken“, bedeute es eine Gefahr für die Integration.  Die Ereignisse von Köln hätten für Verunsicherung gesorgt. Diese, so glaubt Demir , seien jedoch „nicht ohne politische Macht im Hintergrund“ zu sehen. Was Flüchtlinge aus dem Einflussgebiet des so genannten Islamischen Staates (IS) betrifft, merkte Demir an, jeder, der den IS kenne, wisse, was die Vertreter dieses Systems Menschen antuen. Diejenigen, die von dort kommen, seien „traumatisiert und brauchen eine schnelle Integration.“ Integration sei jedoch nicht nur Aufgabe der Politik, sondern auch der Unternehmen, die sich aus Sicht des Ausländerbeiratsvorsitzenden verstärkt darüber Gedanken machen müssten. Demirs abschließender Appell: „Wir brauchen Sie für ein Netzwerk zwischen Neubürgern und Einheimischen. Bleiben Sie dran, mischen Sie sich ein!“

Weltoffen und tolerant

Einen sehr persönlichen und emotionalen Erfahrungsbericht vermittelte Oleksandra Trygub ihren Zuhörern. Durch ein Austauschprogramm kam die gebürtige Ukrainerin nach dem Unglück von Tschernobyl zum ersten Mal nach Deutschland. Durch persönliche Kontakte entwickelte sich Trygubs Zuneigung zu ihrem Gastland, für das sie 2004 schließlich ein  Studentenvisum bekam. Trotz anfänglichem Heimwehs, wie die junge Frau gestand, hatte sie sich schnell integriert. Das Jahr 2006 war für sie ein Meilenstein, als die Welt zur Fußball-Weltmeisterschaft zu Gast in Deutschland war. Diese Tage haben Oleksandra Trygub nachhaltig geprägt. Jahrzehntelang habe man in Deutschland nicht mehr so viele Deutschlandfahnen gesehen. Seither habe sich Deutschland immer mehr der Welt geöffnet und präsentiere sich als tolerante Nation. „Meine Familienangehörigen empfinden deshalb tiefen Respekt und Anerkennung für Deutschland.“ Aktuell stehe das Land vor einer seiner größten Herausforderungen. „Menschen brauchen Ihre Unterstützung. Bleiben Sie weiterhin so großzügig und offen, zeigen Sie Solidarität gegenüber den Flüchtlingen“, forderte Trygub auf. Deutschland habe schon einmal bewiesen, zu was es in der Lage ist, als 1990 mit der ehemaligen DDR „ein komplettes Land, das am Boden lag, wieder aufgerichtet wurde.“ Nur ein mutiges Land könne die aktuelle Situation meistern – mit deutscher Gründlichkeit und Genauigkeit. Trygubs Bricht gipfelte schließlich in der Feststellung: „Mich hat Deutschland von Anfang an überzeugt.“

Zu Wurzeln bekennen

Als offen und ermutigend wertete Oberbürgermeister Dr. Wingenfeld Trygubs Bericht. Ihr wie auch den übrigen Gästen sprach er einen „herzlichen Glückwunsch“ aus, sich mit der Einbürgerung für Deutschland entschieden zu haben und forderte auf, „finden Sie sich in unserer Gesellschaft ein.“ Aus eigener Erfahrung dank längerer Auslandsaufenthalte im Süden Afrikas oder in Frankreich appellierte Wingenfeld an seine Gäste, sich der eigenen Wurzeln bewusst zu sein und zu bleiben. Gleichzeitig stellte Fuldas Verwaltungschef fest, in Deutschland oder Fulda sei es „nicht entscheidend, wo sie geboren sind, entscheidend ist, dass Sie sich für das Grundgesetz und die Menschenwürde einsetzen, für Demokratie und Freiheit.“ In besonderer Weise seien die Neueingebürgerten Vorbild, denn sie hätten bewiesen, dass es gelingt sich zu integrieren. Insbesondere mit Blick auf jene, die jetzt als Flüchtlinge nach Deutschland kommen, lud Wingenfeld seine Zuhörer ein, „Brückenbauer zu sein.“



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