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Das Zeller Loch – ein idyllisches Kleinod im Stadtgebiet von Fulda

181-Zeller Loch 3Im Stadtgebiet von Fulda, zur Gemarkung Zell gehörend, befindet sich das Naturschutzgebiet Zeller Loch – ein in einer kleinen kesselförmigen Mulde versteckt liegendes, fünf Hektar umfassendes Moorgebiet.

Der hier vorhandene Moorkomplex begann sich als Verlandungsmoor in einer Hohlform zu entwickeln, die durch einen Erdfall entstanden ist. Dieser wiederum ist auf die Auslaugung von im Untergrund lagernden Zechsteinsalzen zurückzuführen, die vermutlich in der Tertiärzeit vor rund 25 Millionen Jahren einsetzte. Durch stetige Ablagerung von abgestorbenem, unter Sauerstoffabschluss nur unvollständig zersetztem Pflanzenmaterial in Form von Torf im Wechsel mit Faulschlammablagerungen beziehungsweise Mudden bildete sich in dieser wassergefüllten, abflusslosen Senke schließlich ein kleines Moor.

Der eigentliche Moorbereich ist weitgehend als Niedermoor anzusprechen. Der Komplex weist aber auch kleinere Areale mit hochmoortypischen Arten auf. Zudem sind ein drei Meter tiefer, ungefähr 100 Quadratmeter großer Moorteich, ein sogenanntes „Moorauge“, und ein Moorbirkenwald vorhanden.

Bereits 1927 wurde der Fuldaer Vorgeschichtsforscher Professor Dr. Josef Vonderau auf das Zeller Loch aufmerksam und hat es als ein erhaltenswertes Objekt registriert. 1938 wurde es als Naturdenkmal offiziell unter Schutz gestellt, 1986 als Naturschutzgebietund 2008 als FFH-(Flora-Fauna-Habitat)Gebiet ausgewiesen. Es stellt ein für den Naturraum bedeutendes Moorgebiet dar, das mit seinen typischen, bereits erwähnten Bestandteilen und den umgebenden Großseggenrieden, Röhrichtgürteln, Gehölzbeständen und Feuchtgrünlandflächen Lebensraum für eine Vielzahl seltener und gefährdeter Tier- und Pflanzenarten bietet.

Allerdings war dieser wertvolle Moorbereich in der Vergangenheit immer wieder verschiedenen Gefahren ausgesetzt. Dabei haben vor allem die wiederholten Entwässerungsversuche, die zur Verbesserung der angrenzenden Grünlandflächen durchgeführt wurden, diesem Moorkomplex über Jahrzehnte geschadet.

In der Absicht einen besseren Schutz für diesen einzigartigen Biotop zu gewähren, hat der Verein für Naturkunde in Osthessen (VNO) diese Fläche bereits 1973 als Eigentum käuflich erworben „zur Freude vieler naturbegeisterter Menschen und für die weitere wissenschaftliche Erforschung“, so Dr. Otto Jost in seiner 1974 geschriebenen Publikation über das Zeller Loch.

Gerade für solche wissenschaftlichen Forschungen steht das Zeller Loch für die Universitäten Hamburg und Frankfurt derzeit zur Verfügung. So wurden anknüpfend an die vor nunmehr genau 50 Jahren durchgeführten Bestandsaufnahmen von Zieralgen aktuell entsprechende Proben genommen, die eine Bestimmung der noch vorkommenden Arten sowie eine vergleichende Auswertung ermöglichen. Zieralgen gelten vor allem wegen des Rückgangs ihrer hochsensiblen Habitate als eine stark gefährdete Algengruppe.

Da Moore aufgrund ihrer konservierenden Eigenschaften auch als Archive der Vegetations- und Kulturgeschichte von großer Bedeutung sind, werden zudem archäobotanische Untersuchungen vorgenommen, um über pollenanalytische Erhebungen auch in Verbindung mit Proben aus anderen umliegenden Vermoorungen genauere Rückschlüsse hinsichtlich der früheren Vegetations- und Klimaverhältnisse sowie der Landschaftsentwicklung im hessischen Mittelgebirgsraum ziehen zu können.



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