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Kindertagesstätten im Landkreis Fulda: Schneckenhaus in Künzell-Bachrain

In der Kindertagesstätte „Schneckenhaus“ im Ortsteil Bachrain sollen Kinder im wahrsten Sinne des Wortes groß werden – sie sollen zu starken und selbstbewussten Persönlichkeiten heranwachsen. Ein „Schneckenhaus“ ist dafür genau der richtige Ort.

Schon seit 1972 steht der Name der Kindertagesstätte am Eingang. Doch selbst heute noch ist er aktuell: „Auch der stärkste Mensch braucht einen Rückzugsort wie ein Schnecken-haus“, erläutert Leiterin Nadine Neidert-Nebel und fügt an: „Kinder benötigen Geborgenheit, einen festen Standort und positive Anerkennung – das ist Teil unserer Aufgabe als Erzieher.“ In der Einrichtung gibt es Plätze für 62 Kinder im Alter ab dem vollendeten ersten Lebens-jahr. Die „rote“ Gruppe ist eine Regelgruppe, die nur Kindergarten-Kinder besuchen, wäh-rend in der altersgemischten „blauen“ Gruppe Hort-Kinder mit Kindergarten-Kindern gemein-sam betreut werden. Zudem gibt es eine reine Krippen-Gruppe. Das Team besteht aus neun Erzieherinnen und einer Hauswirtschaftskraft und sei „super gemischt“, betont Neidert-Nebel und verdeutlicht das an einem Beispiel: „Meine Stellvertreterin ist seit 45 Jahren in diesem Haus, ich selbst seit einem Jahr.“

Gemeinsam sind ihnen die Grundsätze und das Ziel, an denen sich ihre Arbeit ausrichtet: „Kinder sollen zu Menschen heranreifen, die wissen, was sie wollen“, gibt Neidert-Nebel ei-nen Einblick. Viele kleine und große Schritte sollen diesen Prozess unterstützen. „Zum Bei-spiel gibt es bei uns regelmäßig Kinderkonferenzen, in denen die Kinder selbst Vorschläge zum Beispiel über die Gestaltung der Feste im Jahreskreis machen. Sie überlegen gemein-sam, was sie dafür brauchen, und stimmen darüber ab, was davon umgesetzt wird“, erzählt die Kita-Leiterin und präsentiert eine gebastelte Pappkabine und Abstimmungspunkte für die geheime Wahl. Denn hier werden die Grundsätze einer Demokratie auch im Kleinen gelebt – und das bereits bei den Jüngsten: „Wer sagt, dass Partizipation in der Krippe noch nicht um-gesetzt werden kann, hat es noch nicht versucht“, ist die Erzieherin überzeugt. Ein weiteres Beispiel für die Selbstbestimmung der Schneckenhaus-Bewohner: Jedes Kind hat eine ID-Chipkarte mit dem eigenen Foto. Hat es sich für eine bestimmte Aktivität entschieden – ent-weder in der eigenen Gruppe oder in einer gemeinschaftlich genutzten Einrichtung wie dem Bewegungsraum oder der Villa Schneckenburg – „checkt“ es dort mit dieser Plakette ein und sieht zugleich, wer schon da ist.

Die pädagogisch-fachliche Grundlage für den Alltag im Schneckenhaus bildet der Bildungs- und Erziehungsplan „Bildung von Anfang an“ des Landes Hessen. Die dort vor zehn Jahren verankerten Richtlinien seien so etwas wie die „Bibel der Pädagogen“, so die Kita-Leiterin und ergänzt mit Augenzwinkern: „inzwischen“. Denn bis die Erzieherinnen tatsächlich in dem 150 Seiten dicken Grundsatzpapier konkrete Hilfen für die tägliche Arbeit gesehen hätten, habe es lange gedauert: „Die Kindertagesstätten-Fachberatung des Landkreises Fulda hat uns dabei mit ihrer Expertise enorm geholfen.“ Sie zählt zu den wichtigen Kooperationspart-nern der Einrichtung wie auch die Gemeinde Künzell, der Tandem-Partner Don-Bosco-Schule, die übrigen Kitas der Großgemeinde und nicht zuletzt der Elternbeirat, der sich sehr für die Belange des eigenen Nachwuchses engagiert.

Im Sommer feiert die Kindertagesstätte „Schneckenhaus“ ihren 45. Geburtstag. Wie das Ju-biläum gestaltet wird? „Das steht noch nicht fest“, sagt die Pädagogin mit einem Lachen: „Darüber entscheidet in gewohnter Weise eine Kinderkonferenz.“

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