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Neues aus dem Naturschutzgroßprojekt Vogelsberg

Zur Jahreshauptversammlung des Trägervereins des Naturschutzgroßprojektes „Natur und Lebensraum Vogelsberg e.V.“ am 10. März 2017 auf dem Hoherodskopf waren nicht nur Mitglieder sondern auch viele interessierte Gäste gekommen. Angekündigt waren für diesen Abend neben den turnusmäßigen Neuwahlen des Vorstandes zusätzlich Informationen über die in 2016 durchgeführten Maßnahmen sowie für die Zukunft geplante Umsetzungen. Zudem sollte ein interessanter Vortrag „aus erster Hand“ über die Hochmoor-Renaturierung der Breungeshainer Heide gehalten werden.

Karl-Peter Mütze, der langjährige Vorsitzende und Mitbegründer des Naturschutzgroßprojektes, hieß die Anwesenden und Ehrengäste – Amtsleiter, Bürgermeister und Stadträte – willkommen. Danach wurden einige Grußworte gesprochen. Den Anfang machte Kurt Wiegel als Mitglied der ersten Stunde, der noch einmal bekräftigte, dass so ein Projekt nicht ohne die Land- und Forstwirtschaft zu bewältigen wäre. Vizelandrat Dr. Mischak dankte an dieser Stelle Karl-Peter Mütze im Namen des Vogelsbergkreises für seinen Einsatz: „Alles konnte nur so weit gedeihen, weil Sie immer mit Herzblut dabei waren.“

Die Grüße der Schottener Bürgermeisterin richtete Stadtrat Willi Zinnel aus und ließ wissen, dass er sich freue, bei dieser Gelegenheit auch den Ort der Versammlung, den ehemaligen Berggasthof des Vogelsberger Höhenclubs, in seinem neuem Ambiente erleben zu können. Dann meinte Andreas Kornmann, Kreislandwirt und Vorsitzender des Gebietsagrarausschusses, dass sich in diesem Projekt trotz aller anfänglicher Skepsis Natur und Landwirtschaft gut ergänzen und man durch sinnvolle Diskussionen letztendlich zu guten Lösungen fände.

2016: Rückblick auf ein bewegtes Jahr
In seinem nachfolgenden Tätigkeitsüberblick ging Mütze noch einmal kurz auf die Entstehungsgeschichte von 2003 ein und gedachte der Anfänge mit dem damaligen NABU-Kreisverbandsvorsitzenden Walter Kress, der inzwischen verstorben ist. Gemeinsam mit ihm, dem Landtagsabgeordneten Kurt Wiegel, den Behörden und einigen Vogelsberger Landwirten war 2005 schließlich der Trägerverein gegründet worden, der heute 100 Mitglieder stark ist.

Neben einigen Informationsveranstaltungen für Landwirte und Unternehmer über zu vergebende Arbeiten auf ökologischen Vorrangflächen im Naturschutzgroßprojekt waren im Laufe des Jahres mehrere Vorstandssitzungen abgehalten worden. Hinzu kamen verschiedene Arbeitstreffen zum Thema „Wiesendrusch“ und zur Hochmoor-Renaturierung.

Der öffentlich veranstaltete Bergmähwiesentag im Juni in der Lüderaue bei Grebenhain-Crainfeld war trotz Dauerregens gut besucht gewesen. Bei dem umfangreichen Programm mit Führungen auf einem beschilderten Rundweg durch die dortige Bergmähwiese wurden auch selten gewordene Nutztiere präsentiert. Mehrere Tierhalter, Imker und Experten gaben an einzelnen Stationen Informationen und machten auf die besonderen Facetten der Kulturlandschaft aufmerksam.
Daneben wurde Heckenpflege mit Großtechnik gezeigt, und die Universität Marburg war mit einem speziellen Arnikaprojekt vor Ort vertreten. Zusätzlich war es den Vogelsbergern ein Anliegen, Walter Kress als dem „Vater des Naturschutzgroßprojektes“ einen Apfelbaum der Sorte „Ingrid Marie“ zu pflanzen

Als großen Erfolg zählte Mütze zudem die Kooperation mit der Vermarktungsgemeinschaft für landwirtschaftliche Produkte „Nähe ist gut“, bei der sich die Firmen REWE (Supermärkte), die Privatbrauerei Licher, Hassia Mineralquellen und die Molkerei Schwälbchen in verschiedenen Projekten engagieren. Seit 2016 gehört dazu jetzt der Erhalt der Bergmähwiesen im Vogelsberg, für den gleichzeitig

Laut Satzung sollen dies sein: ein politischer Mandatsträger des Landkreises, drei Vertreter der Landwirtschaft sowie der Naturschutzverbände, dazu je ein Vertreter des Amtes für den ländlichen Raum und der Forstbetriebsgemeinschaften sowie des Landesbetriebes Hessen Forst.

Gewählt wurden für die nächsten drei Jahre der Erste Kreisbeigeordnete Dr. Jens Mischak, die Geschäftsführerin des Kreisbauernverbandes Stefanie Eggers, die beiden Landwirte Christoph Hardt und Volker Lein, der die Versammlung wissen ließ, dass er sich persönlich schon immer ganz besonders für die Natur interessiert habe.

Der Biologe Dr. Wolfgang Dennhöfer vom BUND wie auch Karl-Heinz Zobich aus dem Vorstand des NABU und Ernst Happel, der vor Jahren den Vogelsberggarten in Ulrichstein ins Leben gerufen hatte, stimmten ihrer Wahl als Vertreter der Naturschutzverbände zu.

Weiterhin dabei bleiben für die Forstbetriebsgemeinschaften Dr. Berthold Riedesel, Freiherr zu Eisenbach, genau wie Dr. Berndt Ott, der Leiter des Forstamtes in Schotten. Schließlich wurde noch der langjährige Schriftführer Joachim Schönfeld in seinem Amt bestätigt. Neben Claudia Blum kam noch Landwirt Klaus Löffler als Kassenprüfer hinzu. Und ganz zum Schluss wurde vom Amt für den ländlichen Raum seine neue Leiterin Anja Püchner in den Vorstand gewählt, die ab jetzt drei Jahre lang gleichzeitig als Vorsitzende des Vereins „Natur und Lebensraum Vogelsberg“ fungiert.

Es war zu schön, als dass man es vergessen könnte
Kurt Wiegel und Karl-Peter Mütze, der als Leiter des Amtes für den ländlichen Raum im letzten Jahr in Pension gegangen war, bekamen beide nach einem Rückblick auf die gemeinsame Arbeit und ihre Mitwirkung am Naturschutzgroßprojekt von Anja Püchner je einen mit regionalen Erzeugnissen gefüllten Tonteller zum Abschied überreicht. Mütze revanchierte sich mit einem herzlichen Dankeschön und versprach auf jeden Fall wieder zu kommen, wenn man ihn einlade.
Gut zu wissen
Wertvolle Vogelsberger Naturräume im Bundesprogramm „chance.natur“

Förderung zum Schutz und zur Sicherung des nationalen Naturerbes

Teil I: November 2010 bis Dezember 2013 – Planungsphase
Teil II: Januar 2015 bis Dezember 2024 – Umsetzungsphase
Im artenreichen Vogelsberg wurde eins der 76 deutschen Naturschutzgroßprojekte angesiedelt. Es erstreckt sich auf einer Gesamtfläche von 92.000 Hektar. Ziel ist es in insgesamt 53 Fördergebieten mit ca. 7600 ha die Biodiversität zu erhalten und durch Naturschutzmaßnahmen und entsprechend angepasste Nutzung wild lebende Tier- und Pflanzenarten zu schützen.

Von bundesweiter Bedeutung sind im Mittelgebirge Vogelsberg die Buchenmischwälder sowie der außergewöhnliche Gewässerreichtum und die strukturreiche Kulturlandschaft mit ihren einzigartigen Berg- und Mähwiesen. Zukünftig sollen jetzt ebenfalls spezielle Offenland- und Waldlebensräume des Mittelgebirges weiterentwickelt und der Reichtum seltener Tier- und Pflanzenarten dieses Naturraums erhalten werden. Nach der Förderphase wird der Projektträger zusammen mit dem Land Hessen sicherstellen, dass die begonnenen Maßnahmen nachhaltig etabliert werden.

Für die zweite, die momentane Umsetzungsphase wurden knapp 10 Millionen Euro bewilligt – vom Bundesministerium für Umwelt und Naturschutz (BMUB / BfN) kamen 65 % (6,1 Mio. Euro), vom Hessischen Ministerium für Umwelt, Klimaschutz und Landwirtschaft (HMUKLV) 25 % (2,4 Mio. Euro). Dazu bringt der Verein Natur- und Lebensraum Vogelsberg e. V. als Projektträger mit dem Landkreis Vogelsberg 10 Prozent der Kosten auf.



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