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Tiefe Einblicke in Fuldas Stadtgeschichte

Im wahrsten Sinne tiefe Einblicke in Fuldas Stadtgeschichte bietet derzeit eine archäologische Ausgrabung an der alten Stadtmauer nahe der Dalbergstraße: Experten haben dort die beachtlichen Reste eines mittelalterlichen Stadtturms entdeckt.

Die Existenz dieses Turms war immer vermutet worden, zumal er auf alten Stadtansichten sowie einem Katasterplan aus dem 18. Jahrhundert vermerkt war. Ein spezieller Name des Turms ist jedoch nach bisherigen Recherchen nicht überliefert, erläuterte der Fuldaer Stadt- und Kreisarchäologe Dr. Frank Verse heute bei einem Pressetermin auf dem Ausgrabungsgelände zwischen der Dalbergstraße, Florengasse und Gutenbergstraße. Mit vor Ort waren auch Fuldas Stadtbaurat Daniel Schreiner, der Leiter der Unteren Denkmalschutzbehörde, Adrian Hehl, sowie Vertreter des Stadtplanungsamts und der ausführenden Firma WiBA (Wissenschaftliche Baugrund-Archäologie, Marburg).

Ob der Turm, der einen Durchmesser von rund acht Metern besitzt, aus der frühesten Epoche der Fuldaer Stadtbefestigung unter Abt Marquart (aus der Mitte des 12. Jahrhunderts) stammt oder aus einer späteren Ausbauperiode, ist noch unklar. „Positiv überrascht hat mich jedenfalls, dass noch so viel des eigentlichen Sichtmauerwerks vorhanden ist. Oft finden wir bei alten Türmen wirklich nur noch das Fundament“, sagte Dr. Verse. Hier sind Mauern von 1,5 bis 2 Metern Höhe erhalten – „dadurch sind auch noch gut die Zugänge zu den ehemaligen Schießscharten erkennbar“.

Das Gelände an der alten Stadtmauer war jahrzehntelang als Parkplatz genutzt und an benachbarte Unternehmen verpachtet worden. Nach Ende der Parkplatznutzung will die Stadt das Gelände nun als Natur- und Geschichtserlebnisraum für die Bürgerinnen und Bürger zugänglich machen. Das Projekt ist Teil des Stadtumbauprogramms „Südliche Innenstadt“, im Zuge dessen bereits unter anderem der Spielplatz am Hirtsrain umgestaltet, die Florengasse saniert und das ehemalige Weißensee-Gelände neu bebaut sowie der Alte Städtische Friedhof neu konzipiert wurden. Das Stadtumbauprogramm „Südliche Innenstadt“ lief von 2005 bis 2015, es können jedoch für noch nicht umgesetzte Vorhaben Mittel aus dem Programm abgerufen werden.

Bei der Neukonzeption der „kleinen grünen Oase“ an der vielbefahrenen Dalbergstraße sollen auch die vorhandenen großen Bäume erhalten bleiben. Gleichzeitig gibt es Pläne, das derzeit noch angeböschte Gelände an das Niveau der Dalbergstraße anzupassen und dadurch rund zwei bis Meter mehr an Stadtmauerhöhe sichtbar zu machen. „Es sind wirklich tolle Funde, die wir nach Möglichkeit auch erlebbar und zugänglich machen wollen“, sagte Stadtbaurat Schreiner. Beispielsweise sei eine Art Geschichtserlebnisort für Schulkinder und historisch Interessierte denkbar.

Wie die Gestaltung im Detail aussehen wird, hängt jedoch noch stark von den endgültigen Befunden der Archäologen ab. Und die werden noch einige Wochen auf dem Gelände zugange sein. Dabei fördern sie nicht nur Mittelalterliches zu Tage, sondern auch Grundmauern und Relikte aus der Zeit des Alten Kolpinghauses, das von 1907 bis 1970 an der Ecke Florengasse/Dalbergstraße stand. Auch diese Funde werden genau dokumentiert und könne interessante Aufschlüsse über vergangene Zeiten bieten.

Wissenswertes: Einer wirklichen Belastungsprobe war die Fuldaer Stadtmauer in ihrer gesamten Geschichte übrigens nie ausgesetzt. Sie blieb weitgehend in ihrer mittelalterlichen Form erhalten, wurde nicht – wie in anderen Städten – in späteren Jahrhunderten mit dicken Mauern, Bastionen und Zitadellen der Entwicklung der Kanonen- und Waffentechnik angepasst. Bei entsprechenden Belagerungen durch feindliche Armeen oder Truppendurchzügen (wie etwa im 30-jährigen Krieg) leistete die Stadt keinen Widerstand.



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