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Fulda und Liyang: Unterschiede, Gemeinsamkeiten und Pläne – Freundschaft mit chinesischer Partnerstadt intensiviert

Bildung, Gesundheitswesen und Industrie: In diesen drei Bereichen sollen die Region Fulda und die chinesische Partnerstadt Liyang künftig weiter zusammenwachsen. Die jüngste einwöchige Delegationsreise nutzten Landrat Bernd Woide, Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld und Hochschulpräsident Dr. Karim Khakzar zudem, um sich in Shanghai mit der deutschen Generalkonsulin Dr. Christine Althauser und Vertretern der Chinesisch-Deutschen-Hochschule an der renommierten Tongji-Universität auszutauschen.

Wirtschaftliche Stärke in zentraler Lage gepaart mit einem Höchstmaß an Lebensqualität, das sind nicht nur die Trümpfe der Region Fulda, sondern auch Attribute, mit denen die Partnerstadt Liyang für sich wirbt – allerdings mit anderen Größenordnungen. Ebenso wie Fulda von der Metropole Frankfurt profitiert, hat die Nähe zur 25-Millionen-Einwohner-Stadt Shanghai einen positiven Einfluss auf Liyang. Die Wirtschaft vor Ort brummt, und gleichzeitig profiliert sich die 850.000 Einwohner zählende ländliche Stadt immer mehr auch als Tourismus-Region. Dabei wird der Tourismus, ähnlich wie in Deutschland, nicht nur als eigener Wirtschaftsfaktor betrachtet, sondern auch als Teil der weichen Standortfaktoren. Denn vielen Unternehmen in den Megacities mit schlechter Luft fällt es zunehmend schwer, qualifizierte Führungskräfte zu finden. Sie haben schlichtweg Angst um die Gesundheit ihrer Familien.
Generalkonsulin Dr. Christine Althauser gab einen Einblick in den vom Shanghaier Generalkonsulat betreuten Wirtschaftsraum: vier Provinzen, dabei auch die Jiangsu-Provinz mit der Partnerstadt Liyang, 222 Millionen Einwohner mit 20 Prozent der chinesischen Wirtschafts
kraft und 40 Prozent aller deutschen Firmen in China. Allein die Außenhandelskammer (AHK) Shanghai zähle 1.600 Mitglieder. Auch die Zahlen aus dem Bildungsbereich waren beeindruckend: 2,5 Prozent des chinesischen Bruttosozialprodukts fließen in Forschung und Bildung. An den 3.300 Hochschulen werden 42 Millionen Studierende ausgebildet. Da nimmt sich die Zahl von 30.000 chinesischen Studierenden in Deutschland verschwindend gering aus.
Mit Blick auf die Hochschule Fulda, an der zur Zeit vergleichsweise wenige Studierende aus dem Reich der Mitte eingeschrieben sind, wäre eine Steigerung durchaus denkbar. Präsident Karim Khakzar, der auch Vizepräsident der deutschen Hochschulrektorenkonferenz und dort Sprecher der Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAWs) und Fachhochschulen (FHs) ist, könnte sich ein Engagement der Fuldaer Hochschule an der Chinesisch-Deutschen-Hochschule für Angewandte Wissenschaften (CDHAW) an der Tongji-Universität gut vorstellen. Bisher sind an dem Prestigeprojekt 26 deutsche HAWs/FHs beteiligt. Entsprechende Gespräche verliefen vielversprechend. Zudem wird die Möglichkeit des direkten Studierendenaustausches mit Liyang geprüft. Hier soll in den kommenden Jahren eine Außenstelle der Universität Nanjing entstehen.

Konkret sollen schon in diesem Sommer zwei Studierende aus Liyang an der Sommeruniversität an der Hochschule Fulda teilnehmen. Darüber hinaus ist geplant, in Fulda auch eine Plattform für chinesische Kultur zu schaffen. Parallel dazu werden die bestehenden Kooperationsprojekte weiter fortgesetzt – so beispielsweise die Planungen für eine Altenpflegeinrichtung in Liyang und die Ausbildung von Berufsschullehrern über das BBZ-Mitte.

Hintergrund:
Die Tongji-Universität wurde 1907 zunächst als deutsche Medizinschule für Chinesen in Shanghai als erstes großes Projekt deutscher auswärtiger Kulturpolitik vom deutschen Arzt Erich Paulun gegründet. Später kam noch eine Ingenieurschule hinzu. Beide wurden 1917 von der französischen Kolonialmacht geschlossen und 1924 als chinesische Tongji-

Universität wiedereröffnet. Die technische Ausrüstung lieferten deutsche Unternehmen. Seit 1978 hat die Tongji wieder intensivere Beziehungen zu Deutschland aufgebaut. Daraus entstanden ist die CDH, die Chinesisch-Deutsche Hochschule, unter deren Dach sich das chinesische Institut für Berufsbildung, die chinesische Hochschule für angewandte Wissenschaften und das Chinesisch-Deutsche Hochschulkolleg befinden. Die Tongji pflegt Partnerschaften mit mehr als 60 deutschen Hochschulen. Ziel sind Doppelabschlüsse sowohl an der Tongji wie auch an der deutschen Partnerhochschule.

Weitere Teilnehmer der Delegation waren Christoph Burkard (Region Fulda GmbH), Jürgen Diener (Wäscherei Diener GmbH & Co. KG), André Eydt (Klinikum Fulda), Stefan Frauenholz, Alexander Günther und Qingyu Meng (alle TTC RhönSprudel Maberzell e.V.), Haldun Tuncay (Verlagsgruppe Parzeller) und Sebastian Müller (Landkreis Fulda).



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