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Zufriedenheitsumfrage in den Einrichtungen von Kompass Leben e.V. abgeschlossen

Gestartet im April in der Werkstatt für Menschen mit Behinderung von Kompass Leben e.V., ging die Reihe der Klientenbefragung in der Werkstatt in Herbstein nun zu Ende. Neben diesen beiden Werkstätten fanden Befragungen auch in den Reha-Einrichtungen von Kompass Leben in Alsfeld und Lauterbach statt, sodass insgesamt 500 Menschen mit den verschiedensten Arten von Unterstützungsbedarf die Gelegenheit hatten, ihre Meinung zu ihrem Leistungsanbieter zu äußern. Dabei ging es in erster Linie um die Situation an den Arbeitsplätzen: Ist der Arbeitsplatz passend und gut ausgestattet? Werden meine Bedürfnisse hier ernstgenommen? Habe ich ausreichend Wissen und Zugang zu weiteren Angeboten und Leistungen, beispielsweise den Mitbestimmungsgremien oder Fördermaßnahmen?
Grund für die Umfrage war natürlich das Interesse an der Meinung der Menschen auf der einen Seite, auf der anderen Seite jedoch steht dahinter auch die veränderte Sicht auf die Angebote für Menschen mit Unterstützungsbedarf, die mit der Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention und dem neuen Bundesteilhabegesetz Einzug in die Arbeit von Einrichtungen wie die Werkstätten von Kompass Leben gehalten hat. Immer mehr stehen hier nämlich die Wünsche der betroffenen Menschen im Vordergrund; die Wirksamkeit der Maßnahmen soll messbar und erkennbar sein.

Erarbeitet wurde die Umfrage von der Forschungsgruppe Metrik, ein auf diesem Gebiet sehr renommiertes Unternehmen, das sich dennoch mit der Befragung von Menschen mit verschiedensten Beeinträchtigungen auch auf Neuland begeben hat. So werden die Fragen beispielsweise mit Bildern und Piktogrammen unterstützt, es wurde auf leicht verständliche Sprache geachtet und die Fragen wurden so gestellt, dass nur Ja/Nein-Antworten möglich waren. „Dennoch haben wir festgestellt, dass wir damit immer noch nicht alle unsere Klienten gut erreichen“, konstatiert Berthold Sommer, der bei Kompass Leben für die Organisation und Abwicklung dieser Maßnahmen zuständig ist. „Für zukünftige Umfragen müssen wir hier in Teilbereichen noch präziser werden und uns weitere Unterstützungsmaßnahmen überlegen, die es uns erlauben, noch mehr Menschen mit ins Boot zu nehmen.“ Sommer bezeichnete auch die Umfrage selbst als „lernendes System“, das wie die Antworten auch analysiert werde.

Großen Anteil daran, dass die Umfrage bereits im ersten Durchlauf auf hohem Niveau stattfinden konnte, haben die Studierenden der Fachschule Sozialwesen Fachrichtung Heilerziehungspflege an der Max-Eyth-Schule. Sie haben die Befragungen durchgeführt und somit den Befragten ein offenes Klima ermöglicht: Weder waren Werkstattmitarbeiter oder Betreuer dabei, noch die Eltern oder gesetzliche Betreuer. „Wir wollten damit eine sehr freie Gesprächssituation schaffen“, erläutert Sommer, der insbesondere Sabine Fath-Keller, der stellvertretenden Abteilungsleiterin der Max-Eyth-Schule im Bereich Sozialwesen, für diese Möglichkeit dankt. Dabei war es auch für die Studierenden eine bisher einmalige Gelegenheit, auf diesem Wege mit Menschen mit Beeinträchtigung zu kommunizieren und zu arbeiten. „Die Umfrage hat uns selbst wertvolle Erfahrungen gebracht“, findet Katharina S., Studierende an der Max-Eyth-Schule, die im Verlauf der Umfrage nicht nur selbst viel professioneller geworden ist, sondern auch Verbesserungsvorschläge für zukünftige Befragungen machen konnte. Auch ihre Kommilitonen äußerten sich positiv über die Umfrage: „Ich empfand die Befragung als sinnvoll und finde, es handelt sich hierbei um einen wichtigen Schritt hinsichtlich der Inklusion. Mir ist aufgefallen, dass es einige Klienten gab, denen es wichtig war ihre Sorgen in einem geschützten Rahmen mitteilen zu können“, hieß es unter anderem.“

Sabine Fath-Keller fügte hinzu, dass der Fachschule Heilerziehungspflege der Max-Eyth-Schule Alsfeld der Kontakt zu den Einrichtungen in der Region sehr wichtig ist. „Die Studierenden haben die Zusammenarbeit mit Kompass Leben sowohl in der Vorbereitungsphase der Befragung als auch bei der Durchführung sehr geschätzt,“ berichtet die stellvertretende Abteilungsleiterin und ergänzt: „Die Studierenden sehen ihren Beitrag als Interviewer als eine wichtige Voraussetzung einer aktiven Beteiligung von Menschen mit Unterstützungsbedarf an gesellschaftlichen Prozessen.“
Für das Personal der Einrichtungen bedeuteten die Umfragen einigen logistischen Aufwand: Sie mussten die Menschen vorher mit der geplanten Maßnahme vertraut machen und Freiwillige ermitteln, die sich befragen lassen wollten. „Das Interesse unserer Klienten, an den Interviews teilzunehmen, war sehr groß“, konstatiert Werkstattleiter Udo Czerwinka. Da die Befragungen während des normalen Werkstattbetriebs stattfanden, musste gut geplant werden, Räume für die bis zu sieben Befragungsteams freigemacht werden, die Menschen zu den Interviews gerufen werden. Doch die Werkstattleitung verspricht sich davon viel: Udo Czerwinka ist wie alle Beteiligten sehr gespannt auf die Auswertungen, die nun von Metrik vorgenommen werden. „Wir werden auch negative Aussagen ernstnehmen, sie genau hinterfragen und zum Anlass nehmen, unsere Betreuungsqualität und unser Angebot zu verbessern“, verspricht er. Wie Sommer auch ist er der Meinung, dass dies die Motivation der Klienten, die ja Mitarbeiter der Werkstätten sind, erhöhen und das Zusammengehörigkeitsgefühl stärken könne. Diesen Eindruck unterstreicht auch Björn Mizdalski vom Sozialdienst der Einrichtung: „Es war gut, dass die Befragung von externen Kräften durchgeführt wurde. Viele der hier arbeitenden Menschen haben freiwillig daran teilgenommen. Es freut sie sehr, dass sie gehört werden und ihre Meinung äußern können.“ Nun darf man gespannt sein, welche Ergebnisse in Kürze vorgestellt werden. Und natürlich darauf, wie sich die Erkenntnisse im Werkstattalltag auswirken werden.

Die Fachschule Sozialwesen Fachrichtung Heilerziehungspflege startet im neuen Schuljahr einen neuen Ausbildungsgang. Es sind noch einige Ausbildungsplätze frei. Anmeldungen können an die Max-Eyth-Schule, Fachschule Sozialwesen gerichtet werden.



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