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Buchvorstellung: Neuer Band zu Wilhelm Friedrich von Oranien-Nassau

Kaum eine Persönlichkeit hat die moderne Geschichte Fuldas so nachhaltig geprägt wie Wilhelm Friedrich von Oranien-Nassau. Sein Wirken, das zum Teil bis heute im Stadtbild sowie in einigen Institutionen fortlebt, hat Dr. Gudrun Vögler in einem Buch mit dem Titel „Wilhelm Friedrich von Oranien-Nassau. Fürst von Fulda (1802-1806) und König Wilhelm I. der Niederlande (1815-1840)“ erstmals umfangreich beleuchtet. Jetzt wurde das Buch, das als 32. Band der städtischen Reihe „Dokumentationen zur Stadtgeschichte“ erschienen ist, im Gewölbekeller der städtischen Musikschule vorgestellt.

Der Ort der Vorstellung war nicht zufällig gewählt: Während seiner Regentschaft gründete der junge Fürst in den Räumlichkeiten, in denen heute die Musikschule der Stadt Fulda untergebracht ist, das erste Landkrankenhaus. „Das Landkrankenhaus, der Vorgänger des heutigen Klinikums, haben wir Wilhelm Friedrich, der Hauptfigur des Buches, zu verdanken. Das Gebäude ist ein Teil seines historischen Erbes“, sagte Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld. Die Autorin des Werks, Dr. Gudrun Vögler, unterstrich: Unter der Führung des Oraniers habe es in Fulda nach mehr als 1000 Jahren geistlicher Herrschaft erstmals eine säkulare Regentschaft gegeben, Wilhelm Friedrich öffnete die Stadt für den evangelischen Glauben und gewährte eine bis dato im Fuldaer Land nicht gekannte Glaubensfreiheit.

„Trotz der relativ kurzen Amtszeit des Fürsten von nur vier Jahren hat er grundlegende Reformen in der Verwaltung, im Sozialwesen, der Gesundheitsversorgung, der Bildung und im kulturellen Bereich durchgeführt“, zählte die Autorin auf und fügte an: „Sein Wirken war eine tiefe, ja sogar wohl die tiefste Zäsur für die Fuldaer Geschichte, an deren Ende sich das alte Hochstift in einen modernen Staat verwandelt hatte.“ Diese Zusammenhänge habe sie auch für den Leser anschaulich vermitteln wollen: „Das Ziel meiner Arbeit war es, ein wissenschaftlich fundiertes Buch zu schreiben, das aber nicht trocken und langweilig für den Leser ist.“ Deshalb sei auch der Erzähltext durch zahlreiche Bilder, Grafiken und Landkarten ergänzt worden.

Der Historikerin und ehemalige Gymnasiallehrerin ist es durch ihre mehrjährige Recherche für das Buch auch gelungen, Ursachen dafür herzuleiten, warum der junge Fürst in der napoleonischen Übergangszeit in dem kleinen Territorium Fulda in wenigen Jahren so viel bewegen konnte: So habe sich Wilhelm Friedrich, der „geprägt war vom rationalen Nützlichkeitsdenken seiner Zeit sowie den humanistischen Idealen der Aufklärung“, durch eine kluge Personalpolitik die richtige Mischung an Beratern an den Hof geholt: Experten von außen, aber auch altgediente fuldische Beamte wie etwa Siegmund von Bibra, die bereits viele Jahre zuvor Reformpläne für das Land geschmiedet hatten, aber bei den Fürstbischöfen auf taube Ohren gestoßen waren – und die sich nun frei entfalten konnten.

Oberbürgermeister Wingenfeld lobte die Autorin für ihre Vorgehensweise: „Die Lektüre ist tiefgründig und dennoch so geschrieben, dass es auch für ein breites Publikum zugänglich ist.“ Sein Dank galt allen Unterstützern wie etwa der Sparkasse und dem Klinikum Fulda sowie den „Ermutigern und Initiatoren“ wie Josef Hoppe, dem es mit seiner „Bürgerschaftlichen Initiative“ immer gelinge, vergessene oder bislang unterbelichtete Aspekte der Lokalgeschichte ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu holen. Richard Hartwig von der Sparkasse Fulda stellte die Bedeutung des Fürsten – auch für das Bankwesen – heraus: „Schließlich hat Wilhelm Friedrich von Oranien-Nassau auch die wirtschaftliche Entwicklung in Fulda maßgeblich beeinflusst, indem er einer der Gründungsväter unserer Sparkasse war.“

Dass Wilhelm Friedrich von Oranien-Nassau eine bisher in der breiten Öffentlichkeit eher vernachlässigte historische Persönlichkeit gewesen sei, werde sich mit Vöglers Werk ändern, prognostizierte der Vorsitzende des Fuldaer Geschichtsvereins, Ex-Oberbürgermeister Gerhard Möller. Er zeigte sich begeistert vom Inhalt wie von der äußeren Aufmachung des Buches. Michael Imhof von dem gleichnamigen Verlag war stolz auf das Ergebnis: „Ich denke wir haben eine qualitativ sehr hochwertige Lektüre erzeugen können – das Buch mit seinem ansprechendem Layout macht einfach Spaß durchzublättern.“

Das 320 Seiten starke Werk ist im Buchhandel zum Preis von 29,95 Euro erhältlich.



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