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Projekt: Wir schieben Oma

Mein Name ist Ahmad Zalkha. Ich wohne mit meiner Familie in Bad Salzschlirf, komme ursprünglich aber aus Afrin in Syrien. Bevor ich in Deutschland wieder in meinem Beruf als Zahnarzt in der Zahnarztpraxis Hobeck in Künzell arbeiten konnte, musste ich mich in Deutschland einleben und die Sprache erlernen. Seither habe ich ehrenamtlich als Dolmetscher für andere Geflüchtete bei der Ausländerbehörde und im Zuwanderungsamt in Fulda gearbeitet.

So ist mir auch die Idee zu dem Projekt gekommen, das ich heute vorstellen möchte: „Wir schieben Oma“. „Wir“ sind eine Gruppe von Asylbewerbern, die sich in der Freizeitbetreuung von älteren Mitbürgern engagiert, die in einem Altenheim in Bad Salzschlirf wohnen: Besonders bei schönem Wetter werden die Bewohner abgeholt und – wie der Name sagt – durch den Kurpark Bad Salzschlirf und zum Einkaufen „geschoben“, sprich begleitet. Der größte Teil des Teams kommt aus Syrien und hat derzeit noch keine Arbeitserlaubnis in Deutschland. Vormittags finden in Fulda Sprachkurse statt, nachmittags nutzen wir die freie Zeit für unser Projekt.

Wir haben Ende August 2017 angefangen und wollen wegen der großen positiven Resonanz damit noch viele Jahre weiter machen.

Über meinen Freund Jürgen Gessner, der der Vorsitzende der „Stiftunglife“ ist, habe ich viel über die Organisation von Sozialen Projekten erfahren und gelernt, wie man auch von rechtlicher Seite vorgehen muss. So ist es zum Beispiel selbst verständlich, dass alle Teilnehmer ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen, um mitmachen zu dürfen. Die Stiftunglife steht unter dem Motto: „Wir helfen den Menschen, die sich selbst engagieren.“ Und diese Idee leben wir auch bei „Wir schieben Oma“.

Zu Beginn habe ich zuerst mit dem Bürgermeister von Bad Salzschlirf, Herrn Matthias Kübel, gesprochen, der die Idee unterstützt hat und mir signalisiert hat, dass sich das Projekt umsetzen lässt. Durch Herrn Herbert Post aus Bad Salzschlirf habe ich dann den Leiter des „Haus Waldeck“ kennen gelernt, der uns die Möglichkeit gegeben hat die Bewohner in lockerer Runde zunächst beim Kaffeetrinken in gewohnter Umgebung kennen zu lernen , bevor wir richtig angefangen haben die „Omas zu schieben“.

Durch diese Unterstützung waren die Anfangsschwierigkeiten gering, aber dennoch war es aufwändig, das passende Team aus zuverlässigen Helfern zu finden und die anfangs scheuen Bewohner von unserem Angebot zu überzeugen.

Mittlerweile sind wir eine Institution im Haus Waldeck: die Bewohner freuen sich auf uns und machen jeden Tag Pläne, was sie mit uns unternehmen wollen. Vom Einkaufen bis zum Eisessen oder einfach gemeinsam ein Schwätzchen im Park halten – wir werden freudig erwartet und geschätzt.

Uns ist es eine Herzensangelegenheit für die Hilfe, die wir in Deutschland erfahren haben, etwas zurück zu geben. Die Stiftunglife erhält die Motivation zusätzlich aufrecht, in dem die Helfer mit zweckgebundenen Sachspenden in ihren Integrationsbemühungen unterstützt werden. So zum Beispiel mit berufsbezogenen Computerkursen oder Fahrkarten für den ÖPNV.

Die Teilnehmer des Projekts profitieren also beiderseits; Das Sprachverständnis und das Erlernen der deutschen Sprache fällt im Kontakt mit Deutschen deutlich leichter. Die „Omis“(selbst verständlich dürfen „Opas“ auch mit machen) genießen die Ansprache und die Ausflüge.

Das Projekt hat sehr viel positive Aufmerksamkeit bekommen; Wir Asylbewerber zeigen uns öffentlich mit einer sinnvollen Aufgabe betreut, die Heimbewohner nehmen mit viel Freude wieder mehr am gesellschaftlichen Leben teil, als dass das Pflegekräfte allein bei ihrer massiven Arbeitsbelastung bewerkstelligen könnten.

Wir wünschen uns für die Zukunft, das Projekt »Wir schieben Oma« noch bekannter zu machen und weitere Teilnehmer – gern auch Deutsche Jugendliche und Erwachsene – zu gewinnen.



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