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Interview mit der Leiterin des LebKom-Begegnungscafés in Hofbieber Modell für intensive Integrationsarbeit

„Wer nach Deutschland kommt, der muss sich an unsere Regeln, wie die Gleichberechtigung der Geschlechter, halten“, lautet eine Feststellung in der Flüchtlingsdebatte. Damit Menschen mit anderer kultureller Prägung unsere Auffassung von der Gleichwertigkeit von Mann und Frau verstehen und danach leben können, hat der Verein „Lebendige Kommunikation“ (LebKom) vor zwei Jahren in der Hofbieberer Flüchtlingsunterkunft das Begegnungscafé ins Leben gerufen.

Nun ist die Einrichtung vom „Bündnis für Demokratie und Toleranz – gegen Extremismus und Gewalt“ (BfDT) des Bundes in einem Wettbewerb als einziges hessisches Projekt ausgezeichnet worden. Sozialpädagogin Claudia Wegener, die an der Hochschule Fulda studiert hat, leitet das Begegnungscafé.

Geht es in dem Projekt um die Begegnung zwischen Einheimischen und geflüchteten Menschen?
C.W.: Auf jeden Fall; doch wir gehen einen anderen Weg als zum Beispiel bei Angeboten Spiele- oder Kochabende. Wir haben in Gesprächen mit den Geflüchteten festgestellt, dass sich die Bewohner untereinander kaum kannten. Vor Begegnungen mit Deutschen scheuten die meisten erst einmal zurück; ihnen war vieles unverständlich; sie hatten großes Interesse, zunächst mehr über unsere Kultur zu erfahren. Nach einer Weile suchten sie dann von sich aus Kontakt zu Einheimischen, je nach persönlichen Interessen im sportlichen oder kulturellen Bereich.

Wie gelingt es Ihnen, das Gespräch für so private Themen wie Partnerschaft zu öffnen?
C.W.: Dabei spielt das Vorgehen nach dem Wert-Zentrierten (WZA) eine wesentliche Rolle, den Professor Muthgard Hinkelmann-Toewe entwickelt und an der Hochschule Fulda gelehrt hat. Wichtig ist, die Impulse der Anwesenden aufzugreifen; Familie und Sexualität beschäftigen die Menschen in allen Kulturkreisen. Auch wurde ein Raum geschaffen, in dem jeder sich vertrauensvoll äußern darf, ohne dass seine Aussagen bewertet werden. Das führt dann zu neuen Fragen, bezogen auf sich selbst und das Miteinander.

Können Sie sich eine Ausweitung des Projektes vorstellen?
C.W.: Der Bedarf ist zweifellos vorhanden. Doch bräuchte es politische und finanzielle Unterstützung, damit für diese Art der Integrationsarbeit mehr Integrationshelfer im WZA geschult werden können.

Wie verwenden Sie das Preisgeld in Höhe von 2000 Euro?
C.W.: Ein Teil fließt ins Fulda-Mosocho-Projekt (FMP). Das BAMF propagiert die Verzahnung von Integrations- mit Entwicklungszusammenarbeit, um Fluchtursachen zu bekämpfen. Genau das tut unser FMP, indem es die Stellung der Frau in Afrika stärkt.



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