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Erste „Event-F“ – Veranstaltung lockte knapp 40 Frauen in das Alte Postamt

Nachhaltigkeit, Frauenwahlrecht, Upcycling – Themen mit denen sich zwar nicht nur Frauen auseinandersetzen, die aber dennoch für Frauen hochinteressant und aktuell sind. Verschrieben hatte sich diesen Themen am vergangenen Donnerstag Stefanie Planz, die dazu einige Mitstreiterin in den Konferenzsaal des Ludwig in das Alte Postamt eingeladen hatte. Unter dem Motto „Event F“ will die Alsfelderin zukünftig immer mal wieder Frauen zu interessanten Abenden zusammenführen und ins Gespräch bringen. Sie selbst berichtete zum Start in den Abend von sich selbst – als ein plötzlich veränderter Lebensentwurf sie dazu zwang, sich beruflich und finanziell anders aufzustellen. Nicht zuletzt sei ihr dabei bewusst geworden, dass gerade die Biographien von Frauen dazu angetan sind, in späteren Jahren Versorgungslücken aufzuweisen.

Ein Thema, das auch die Alsfelder Autorin und Kolumnistin Traudi Schlitt immer wieder aufgreift. Sie sei sich zwar durchaus bewusst, dass man als Frau in Deutschland und Westeuropa insgesamt komfortabler lebe als in vielen anderen Teilen der Welt, besonders weit sei man in Sachen Gleichberechtigung dennoch seit vielen Jahren nicht bekommen: Noch immer sitzen in DAX-Unternehmen weniger Frauen als Männer mit den Vornamen Michael und Andreas, führte sie mit Hinweis auf einen Beitrag im manager magazin aus, noch immer gäben sich zu viele Frauen damit zufrieden, trotz guter Schul- und Studienabschlüsse in einer bestimmen Führungsebene nicht vorzukommen. Schlitt hatte aus Anlass des 100-jährigen Jubiläums zur Einführung des Frauenwahlrechts eine Kolumne mitgebracht, die zeigte, welch langen Weg die Mütter des Wahlrechts gehen mussten und welche Widerstände sie zu überwinden hatten. Dass es heute in Deutschland immer noch ein Ministerium – nämlich das Heimatministerium von Horst Seehofer – gebe, in dem keine einzige Frau vertreten ist, ließ sie unkommentiert stehen. Humor, so die Autorin abschließend, sei zwar angesichts der Lage nicht immer angebracht, helfe aber mehr als Verbissenheit.

Als nächste Frau mit viel zu erzählen bat Planz Barbera Schönenberg zum Interview. Diese führt seit Anfang des Jahres in Alsfeld einen Laden für Shabby Chic, in dem sie alte Möbel aufarbeitet, anbietet und dazu auch passende Accessoires bereithält. Sie erzählte von ihrem spannenden Werdegang und dem Mut, den es braucht, um sich mit seinem Traum vom eigenen Geschäft selbstständig zu machen. Schnell war deutlich, dass dies kaum mit einer 40-Stunden-Woche geht, und auch der Fähigkeit bedarf, Rückschläge zu überstehen. Schönenberg hatte kleine Beispiele ihrer handwerklichen Kunst mitgebracht und versprach: Vom alten Schrank zum Shabbyteil sei es zwar ein langer Weg, kleinere Sachen aber könne man auch ohne viel Erfahrung anfertigen.
Für den modischen Teil des Abends war Ute Lochno zuständig. Sie hatte neueste Herbsttrends am Start und sprach vor einer schönen Modenschau mit Stefanie Planz über Nachhaltigkeit in der Mode. Kein leichtes Thema – lebt die Modebranche doch mehr als jede andere von wechselnden Trends und schnellem Konsum. Wichtig sei, dass man Teile habe, die man auch nach Jahren noch gut tragen könne und mit neuen kombinieren könne. Nichtsdestotrotz empfahlen sie den Frauen, regelmäßig auszumisten: Was man ein Jahr nicht getragen habe, könne in den Second-Hand-Laden oder vielleicht zum Upcycling. Auch dafür war eine Expertin vor Ort: Schauspielerin Johanna Mildner vertrat die erkrankte Schneidermeisterin Ruth Henkel, die beeindruckende Beispiele von Kleidern bereitgestellt hatte, die sie in Workshops oder auf Anregung von Kundinnen gefertigt hatte: Das Brautkleid einer Mutter war zum Abiturkleid der Tochter geworden, ein altes Lodencape einer anderen Frau zum stylischen Winterteil mit Glam-Faktor. Über die Wahnsinnsideen und die perfekte handwerkliche Umsetzung staunten die Zuschauerinnen sehr, konzentrierten sich dann aber auch auf die neuen Teile, die die vier Models von Ute Lochno zeigten. Darunter waren eine Hose und ein Hosenanzug, die aus Fäden hergestellt sind, die wiederum aus recyceltem PET gewonnen werden. Bestückt hatte Lochno ihre Schau mit Accessoires aus dem Alsfelder Weltladen – ein weiteres Beispiel gelungener Kooperation in der Fachwerkstadt.
Am Ende eines langen Abends hatten die anwesenden Damen ganz viele neue Eindrücke gewonnen, nahmen Denkansätze mit und viele Ideen, die sie vielleicht schon bald umsetzen werden.



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