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Evangelisches Dekanat Vogelsberg empfängt Delegation um Bischof Peter Kohlgraf

m Rahmen seiner Visitationsreise in den Vogelsberg besuchte der Mainzer Bischof Prof. Dr. Peter Kohlgraf das hiesige Evangelische Dekanat an seinem Sitz in Alsfeld um über die ökumenische Zusammenarbeit in der Region zu sprechen und insbesondere die Kinder- und Jugendarbeit in den Blick zu nehmen.
Strukturreformen beschäftigen beide Konfessionen. Das Evangelische Dekanat Vogelsberg hatte erst kürzlich sein Gebiet mehr als verdoppelt und entspricht nun in etwa dem Kreisgebiet, das katholische Dekanat Alsfeld arbeitet schon länger in dieser räumlichen Größenordnung. Natürlich gebe es Widerstand auch in den Kirchengemeinden gegen solche Zentralisierungsprozesse. Dass Christen sich aber generell zu sehr an Strukturfragen aufhängen, habe eine lange Tradition und fange bereits im Neuen Testament an, bemerkte der Bischof lakonisch. Er bat die Evangelischen darum, den katholischen Geschwistern dennoch Lust zu machen auf solche Prozesse: „Es wird eine Menge zu gestalten geben! Alles was man gemeinsam schaffen kann, sehe ich als Gewinn.“ Dr. Jürgen Sauer hob hervor, die Agenda des vierfachen Teilens, die Kohlgraf nun für den Pastoralen Weg aufgesetzt habe stelle das „Leben teilen“ voran. Dies sei ein wichtiges Signal, dass Kirche sich nicht aus der Gesellschaft zurückziehe. Dennoch, größere Strukturen erforderten Zeit und Anstrengung, weite Fahrwege und Kooperation. Man könne die pastorale Versorgung nicht in den kleinsten Dörfern vollumfänglich aufrecht erhalten, sondern sei auf Kooperationen auf regionaler Ebene angewiesen, waren sich die Kirchenleitenden einig. Der Nachwuchs im Pfarramt strebe überwiegend ausdrücklich Teamarbeit an, so die Beobachtung von Dekanin Luise Berroth. „Unsere Vikarinnen und Vikare fragen konkret danach und fordern das auch ein.“ Es sei daher sinnvoll mehrere Berufseinsteiger in eine Gegend zu schicken, damit hier bereits im Studum gewachsene Zusammenarbeit vertieft werden könne. In beiden Kirchen stehe und falle jede Kooperation jedoch mit den konkreten Personen. So etwas könne man nicht verordnen. Dennoch sei es nicht gut, wenn keiner über den eigenen Kirchturm hinausdenkt.
Ralf Müller, Ökumenereferent des Evangelischen Dekanats unterstrich den Wunsch nach Synergien und fügte energisch hinzu: „Es reicht nicht, bloß ökumenisch zu denken, wir müssen unbedingt auch sozialräumlich denken. Die Dörfer kämpfen um die Erhaltung ihrer DGHs, wir versuchen Gemeindehäuser zu halten. Alle haben doch ähnliche Herausforderungen.“ Da sei noch Luft nach oben in der Zusammenarbeit, waren sich alle einig. „Wir werden etwa 50% der Immobilien halten“ prognostizierte Kohlgraf. Räume, die nicht belebt sind, könnten nicht aufrecht erhalten werden. Speziell in Alsfeld werde eine Öffnung der Räume längst vorbildlich gelebt, merkte Sauer an. So werde etwa der Weltladen und die Tafel im katholischen Gemeindehaus beherbergt. Die Evangelischen erlebe er da noch eher zögerlich.
Als ein äußerst gelungenes Beispiel ökumenischer Zusammenarbeit wurde das Vogelsberger Netzwerk um die Taizé-Fans hervorgehoben. Habe es früher noch getrennte Fahrten in das Dörfchen in Burgund gegeben, so sei man bereits über 15 Jahre gemeinsam jedes Jahr in der Osterwoche gemeinsam unterwegs, schilderte Dekanatsjugendreferentin Jutta Marth-Steckenreuter. Auch die kreisweit angebotenen Taizé-Gebete hätten mittlerweile eine große Anhängerschaft: „Das sind wirklich tolle Gelegenheiten, Menschen mit einer besonderen Gottesdienstart in Berührung zu bringen“ so die Erfahrung der Dekanatsreferentin Hedwig Kluth.
Die so genannte schulbezogene Jugendarbeit, die seitens der Evangelischen an staatlichen Schulen betrieben werde, sei ein Beispiel für sozialdiakonisches Engagement. Die Schülerinnen und Schüler hätten großen Gesprächsbedarf und nähmen das seelsorgliche Angebot gerne in Anspruch. Einzig, zur Vergemeinschaftung führe solche eine Arbeit nicht automatisch. Klar gebe es vereinzelt Schülerbibelkreise, aber man müsse weiter nach kleinen niedrigschwelligen Formen der Vergemeinschaftung suchen, die den Brdürfnissen der Kinder und Jugendlichen gerecht werden. Erfahrung spiritueller Gemeinschaft sei ein wichtiger Baustein ihrer Entwicklung. Luise Berroths Beobachtung dazu: „Das Ziel der Vergemeinschaftung ist nicht chancenlos. Jugendliche fordern spirituelle Inhalte ein, wollen lernen und einüben.“ Bei einem regionalen Konfitag sei ihr Angebot, z.B. einen anglikanischen Rosenkranz vorm Schlafengehen oder vor Prüfungen zu beten, auf reges Interesse gestoßen. „Jugendliche möchten wieder mehr wissen, wie so etwas geht, wie man ganz praktisch Glauben ausdrücken und leben kann. Wir als Mitarbeitende müssen uns wieder mehr trauen, das auch anzubieten. Wir sollten keine Angst davor haben, dass man uns Indoktrination vorwirft, wenn wir mit Jugendlichen beten.“
Abschließend lud der Bischof die Evangelischen in verschiedensten Bereichen zu Zusammenarbeit ein. So gebe es im März thematische Gesprächstage zum Empfang des Abendmahls für Ehepaare, die verschiedenen Konfessionen angehören. Seine Beobachtung sei, dass es an einigen Stellen auch eine Unwissenheit katholischerseits gebe, was Evangelische in Bezug auf das Abendmahl überhaupt glauben. Er wolle hören, was progressive und kritische Stimmen zum Thema zu sagen hätten. Zielmüsse sein, dass Gläubige zu einer mündigen Gewissensentscheidung kommen könnten.
Ein weiteres Thema sei der Erfahrungsaustausch hinsichtlich struktureller Reformen. Auch hier könne man voneinander profitieren und sehen, wie sich das Kleinerwerden gestalten lasse. Für die konkrete Region Vogelsberg sehe er jedoch weniger Widerstände kommen. „Wenn man in Mainz fragt, ob es eine katholische Stadt ist, dann wird jeder dies bejahen. Die Mentalität ist einfach katholisch.“ Faktischt seien aber weniger als 35 Prozent der Mainzer katholisch. „Die Zahlen sind das eine, die Mentalität ist etwas anderes.“ Eine solche Diskrepanz habe künftig viel mehr Konfliktpotenzial als in Regionen wie dem Vogelsberg, in denen die Leute es immer schon gewohnt sind, weite Strecken zurücklegen zu müssen und den Pfarrer nicht im Dorf wohnen zu haben.
Mit großer Wertschätzung und Einigkeit und einer Hand voll neuen Ideen für die weitere Zusammenarbeit endete das ökumenische Treffen.



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