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Synode beschließt Pfarrstellenkürzungen und wählt dritte Frau an die Dekanatsspitze – Zweite Dekanatssynode des Evangelischen Dekanats Vogelsberg tagte mit hoher Beteilung zu brisantem Thema in Queck

Präses Sylvia Bräuning führte durch die Sitzung der Dekanatssynode.
Mit großem Dank verabschiedeten Luise Berroth (rechts) und Daniel Heitzenröder (links) Alexander und Ruth Eifler.
Propst Matthias Schmidt leitete die Wahl zur stellvertretenden Dekanin.
Dekanin Luise Berroth informierte die Versammlung über die Kriterien, die zum Vorschlag für die Pfarrstellenbemessung geführt hatten.
Dekan Dr. Jürgen Sauer verteidigte die Kürzungsvorschläge der Gremien und bat die Versammlung um Zustimmung.
Sie stehen künftig dem Evangelischen Dekanat Vogelsberg vor: Präses Sylvia Bräuning, stellvertretende Dekanin Luise Berroth und Dekanin Dr. Dorette Seibert (von links nach rechts).
Von Jürgen Seng, Jutta und Volker Weinmann sowie Dekan Dr. Jürgen Sauer (von links nach rechts) verabschiedete sich die Synode. Rechts im Bild: Präses Sylvia Bräuning, es fehlt: Pfarrer Walter Bernbeck.

Am östlichen Rand des neuen Evangelischen Dekanats Vogelsberg hat am vergangenen Samstag die Synode des Dekanats zum zweiten Mal getagt. Die Kulturscheune in Queck beherbergte das mehr als hundertköpfige Entscheidungsgremium, das an diesem Tag eine lange Sitzung vor sich hatte. An dessen Ende hatten die Synodalen u.a. eine neue stellvertretende Dekanin gewählt und die von der EKHN-Synode beschlossene Kürzung von insgesamt vier Pfarrstellen beschlossen.
Traditionell startete die Versammlung mit einem Gottesdienst in den Tag. Pfarrer Pierre Bouvain hielt diesen gemeinsam mit Kirchenvorstandsmitgliedern aus seinen Kirchengemeinden; die musikalische Gestaltung hatte Organist Mario Stucki übernommen. Helmut Daubert vom Kirchenvorstand Rimbach freute sich offenkundig über die vielen Gäste aus dem ganzen Vogelsberg in seiner Region und nutzte den Anlass, die Kirchengemeinden, die hier pfarramtlich verbunden sind, vorzustellen. Bei einer hohen Anzahl an Dörfern und Predigtorten wie Pfarrer Bouvain sie hier vorfände, fehle ihm als Kirchenvorstand jegliches Verständnis für die geplante Pfarrstellenkürzung, nahm Daubert ein beherrschendes Thema der Sitzung vorweg.
Zu dieser begrüßte im Anschluss an den Gottesdienst Präses Sylvia Bräuning Propst Matthias Schmidt. Auch Dr. Dorette Seibert, ab Juni dieses Jahres die neue Dekanin des Evangelischen Dekanats, war in den Vogelsberg gekommen, ebenso wie Armin Habermann, Leiter der Regionalverwaltung. Vom Diakonischen Werk wohnte Fred Weißing der Sitzung bei, das Beratungszentrum Vogelsberg war durch seinen Leiter Matthias Gold vertreten. Aus der Mitarbeitendenvertretung waren Petra Jahnel und Norbert Kelbassa anwesend. Als Jugenddelegierte nahm Sophie Schramm an der Sitzung teil.
Ein erster großer Tagesordnungspunkt galt Alexander Eifler. Er war mehr als 40 Jahre lang Leiter der Campingplatz-Seelsorge auf dem Campingplatz in Nieder-Moos und gibt diesen Posten nun auf. Luise Berroth, kommissarische Dekanin, würdigte die Verdienste Eiflers und seiner Familie. Er sei in Nieder-Moss „unter der Fahne des Dekanats gesegelt“ und habe dort eine sehr vertrauensvolle und verantwortungsreiche Aufgabe wahrgenommen, die weit über die Seelsorge hinausgegangen sei. Das Dekanat dankte Eifler ausdrücklich für sein unermüdliches, außerordentliches Engagement und gab bekannt, dass es derzeit mit der Familie Heitzenröder, den Betreibern des Campingplatzes, und den Pfarrerinnen und Pfarrern rund um Nieder-Moos Gespräche über Möglichkeiten einer Fortführung der Campingplatzseelsorge berate. Im Namen der Familie Heitzenröder dankte Daniel Heitzenröder dem scheidenden Urgestein der Campingplatz-Seelsorge. Eifler habe nicht nur seelsorgerisch gewirkt, sagte Heitzenröder, sondern auch viele Unterhaltungs- und Beschäftigungsangebote gemacht, die von Kindern und Eltern begeistert aufgenommen wurden. „Eigentlich wollte ich nur Urlaub machen“, blickte der Geehrte und Verabschiedete auf die Anfänge in Nieder-Moos zurück. Seit damals hat er 45 Jahre lang alle Sommerferien auf dem Platz am See verbracht, das Gottesdienstgebäude „Arche“ mitaufgebaut, Menschen getraut und deren Kinder getauft. Er gebe die Seelsorge nun in die Hände des Dekanats, so Eifler, der sich wünschte, dass es einen direkten Nachfolger geben möge, der Beziehungen und Bindungen so aufrechterhalten könne wie er. Mit großem Applaus verabschiedete die Sitzung diesen engagierten Seelsorger, der der Region weiterhin als Initiator und Koordinator des Nieder-Mooser Konzertsommers erhalten bleibt.
Aus der Regionalverwaltung berichtete sodann Armin Habermann über Stand und Procedere der Haushaltsplanung und die Neuregelung der Kollektenverwaltung, bevor es an den dekanatseigenen Haushaltsentwurf ging. Über einen 2,5-Millionen-Haushalt zu befinden ist keine Kleinigkeit; so gab es aus der Versammlung einige Rückfragen, beispielswiese zum Defizit von 11.000 Euro, zu den Rücklagen und zur Aussagekraft der Zahlen bei noch fehlenden Abschlüssen aus den Vorjahren. Nach Klärung all dieser Fragen waren die Synodalen bereit, dem Haushaltsentwurf zuzustimmen. Ebenfalls um Geld, nämlich um die Vergaberichtlinien Finanzausgleich, einer Haushaltsstelle, die besondere finanzielle Härten von Kirchengemeinden ausgleichen soll, ging es als nächstes. Zwei verschiedene Modi der zusammengelegten Dekanate mussten hier zu einem verbunden werden. Der Plan, Kirchengemeinden mit einer Größe bis 1400 Mitglieder mit maximal 2.000 Euro pro Jahr zu fördern, und größere Kirchengemeinden mit 4.000 Euro stieß teilweise auf Kritik; auch der Ansatz, dass nur noch Kirchengemeinden und keine anderen Personen oder Gremien die Förderung beantragen können, wurde von der Versammlung kritisiert. Die Dekanatsleitung konnte die Synodalen jedoch vom Sinn dieses Vorgehens, das eine Beobachtungsphase einschließt, überzeugen, so dass der größere Teil dem am Ende zustimmte. Noch einmal kam es zum Thema Finanzen, und zwar mit den Vergaberichtlinien für kirchenmusikalische Mittel. Hier beschloss die Synode, diese von der Landeskirche bereitgestellten Gelder für die Mehrbelastungen der Kirchengemeinden Gemeinden zu verwenden, die sich durch die Stundenerhöhung der nebenberuflichen Kirchenmusiker ergeben haben.
Auch Personalia waren auf der Synode zu bestimmen, zunächst wurde Luise Berroth zur hauptamtlichen stellvertretenden Dekanin mit einem halben Stellenanteil gewählt. Weder bis zur Meldefrist noch auf der Versammlung selbst kam es zu einer Gegenkandidatur zu Berroth, die bereits im Altdekanat Vogelsberg als stellvertretende und kommissarische Dekanin gewirkt hat und diese Aufgabe nach eigenem Bekunden „herausfordernd und schön“ fand. Als einziges Dekanat in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) stehen in Alsfeld nun drei Frauen einem Dekanat vor, beglückwünschte Propst Schmidt die frisch gewählte stellvertretende Dekanin. Da Luise Berroth mit dieser Wahl eine andere Funktion im Dekanatssynodalvorstand übernimmt, musste ein neues Mitglied aus der Pfarrerschaft gewählt werden. Die Wahl fiel auf Pfarrer Christian Tröger aus der Kirchengemeinde Meiches. Des Weiteren wurde Thomas Ruppert als Synodaler der EKHN-Synode gewählt; Regina Pfeiff wurde seine Stellvertreterin.
Den brisantesten Teil der Synode hatte man in Queck am Nachmittag vor sich. Es ging um die ungeliebte Pfarrstellenkürzung, mit der sich eine eigens einberufene Pfarrstellenbemessungsgruppe und der DSV ein Jahr lang beschäftigt hatten, nachdem die EKHN-Synode die Kürzungen beschlossen hatte. Für das Dekanat Vogelsberg bedeutet dies: 2,5 Gemeindepfarrstellen müssen bis Ende 2022 gekürzt werden, eine weitere bis Ende 2024. Im regionalen Pfarrdienst – Stellen, die direkt dem Dekanat zugeteilt sind, wie Alten-, Krankenhaus- oder Trauseelsorge, Bildung und Ökumene sowie Öffentlichkeitsarbeit – muss bis Ende 2019 eine viertel Stelle abgebaut werden, bis Ende 2024 eine weitere viertel Stelle. Dekanin Berroth erläuterte das Vorgehen der letzten Monate, das zur Findung relevanter Kriterien geführt hatte. Diese sind die Anzahl der Gemeindeglieder, die Anzahl der Predigtstellen in den Gemeinden, die Anzahl der Dörfer, die zu einer Pfarrstelle gehören, sowie die Verwaltung von Kindertagesstätten. Nach diesen Kriterien wurden Kürzungen von je einer halben Stelle im Gemeindepfarrdienst für Alsfeld, Lehrbach, Ehringshausen, Kreutzersgrund, Schlitz, Lauterbach und Meiches ermittelt. Gespräche mit den einzelnen Kirchengemeinden und mit angrenzenden Kirchengemeinden zur Bildung von Kooperationen sind bereits angelaufen, wie Berroth gemeinsam mit Dekan Dr. Sauer berichtete. Da die Kürzungen an konkreten Stellen festgemacht werden müssen, entbrannte besonders in der Kirchengemeinde Schlitz eine heftige Diskussion, ob die Kürzung an der Pfarrstelle Schlitz 1 oder Schlitz 2 erfolgen sollte. Schlitz 1 betreut einen Teil von Schlitz und die Kirchengemeinde Hutzdorf, Schlitz 2 nur die Stadt Schlitz. Der DSV hatte eine Kürzung an der Stelle Schlitz 2 vorgeschlagen: Die gewachsene Kooperation von Schlitz und Hutzdorf könne so bestehen bleiben und die Stelle selbst bliebe mit einem Stadtkirchenanteil sowohl für den jetzigen Stelleninhaber als auch für eventuelle zukünftige Ausschreibungen attraktiver. Die Kirchengemeinde Schlitz hatte einen Antrag an die Synode weitergeleitet, um zu erwirken, dass die Kürzung an der Stelle Schlitz 1 erfolgen solle, die damit die Arbeit in Schlitz weitgehend aufgeben müsse und zusätzlich zu Hutzdorf verschiedene Dörfer abzudecken hätte. Schlitz 2 könne somit eine einheitliche Betreuung der ganzen Stadt übernehmen. Dieser Antrag der Kirchengemeinde Schlitz wurde mehrheitlich abgelegt, so dass der Vorschlag des Dekanatssynodalvorstandes zur Beratung und Abstimmung anstand. Die Synode diskutierte engagiert über die verschiedenen Kürzungsoptionen, die von einem Begleitbeschluss flankiert waren. Dieser sieht vor, dass da, wo Kürzungen an einer Stelle auch vom weiteren Verlauf der Kooperationsverhandlungen mit umliegenden Kirchengemeinden abhängen, jetzt zwar ein Beschluss getroffen werde, dieser aber bei einer einvernehmlichen Kooperationslösung aller betroffenen Kirchengemeinden bis Ende 2020 noch einmal diskutiert und anders entschieden werden könne.
Dekan Dr. Jürgen Sauer appellierte an die Versammlung, dem Plan nun zuzustimmen, um diesen der Kirchenverwaltung pünktlich vorzulegen. Von einer Verschiebung der Abstimmung riet er ab, da auch von einer dann neu zu bildenden Pfarrstellenbemessungsgruppe kaum andere Vorschläge zu erwarten seien. „Es ist schmerzhaft, aber es muss sein“, so Dr. Sauer. Zu guter Letzt stimmte die Synode den vom DSV vorgeschlagenen Kürzungen zu, auch die Kürzungen beim regionalen Pfarrdienst beschloss die Synode gemäß dem DSV-Vorschlag: Zum Ende 2019 wird die Viertelstelle der Trauseelsorge Romrod abgebaut. Damit wird einer Restschuld aus der letzten Pfarrstellenkürzung im Altdekanat Vogelsberg Rechnung getragen. Als Propstbeigabe bleibt diese Stelle jedoch bis Ende 2022 bestehen. Als Kürzung aus der aktuellen Vorgabe wird der Bereich der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit um eine Viertelstelle gekürzt. Diese Kürzung tritt Ende 2024 in Kraft.
Zum Ende der Versammlung hieß es noch einmal Abschiednehmen: Noch in diesem Jahr und vor der nächsten Synode im November gehen Dekan Dr. Sauer, Pfarrer Walter Bernbeck und die Pfarrer Jutta und Volker Weinmann in den Ruhestand. Pfarrer Jürgen Seng wird eine neue Stelle in Bad Vilbel antreten. Von ihnen allen verabschiedete sich die Synode mit stehendem Applaus, bevor es noch einmal still wurde. Propst Matthias Schmidt gedachte des kürzlich verstorbenen Pfarrers im Ruhestand Reinhard Helm.



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