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Jahre nach Woodstock – HAIR endlich wieder in der Stiftsruine: LET THE SUNSHINE IN

Es ist genau 50 Jahre her: Das WOODSTOCK-Festival begann am 15. August 1969 und endete am Morgen des 18. August. Passend zum Jubiläum und wegen der hohen Nachfrage nach Karten im letzten Sommer zeigen die Bad Hersfelder Festspiele das Musical HAIR ab dem 16. August noch einmal in der Stiftsruine. Regisseur Gil Mehmert schreibt dazu im Programmheft der Bad Hersfelder Festspiele zu seiner Inszenierung und dem Bühnenbild von Jens Kilian: „Das Setting ist eine Hommage an Woodstock und diesen unvergesslichen Summer of Love aus Musik, Liebe und Regen. Die Bühnenaufbauten sind nach diesem Open-Air-Ereignis aus dem Entstehungsjahr gestaltet. Die Texte sind immer noch eine Collage, diesmal aus dem Original-Skript, dem späteren Drehbuch und Zitaten vieler Protagonisten des Hippie-Zeitalters. HAIR soll in dieser Inszenierung eine Bewegung sein, die langsam anfängt, immer mehr Fahrt aufnimmt und schließlich alles mitreißt. HAIR ist und bleibt im wahrsten Sinne des Wortes: ein großer Trip! Ein Trip im Rausch des Lebens, das wir hier in all seinen Facetten auf der Bühne feiern. LET THE SUNSHINE IN!“

Auch 2019 präsentiert Regisseur Gil Mehmert wieder ein für ihn und Bad Hersfeld gewohnt hochkarätiges Ensemble. Dazu gehören (wie im letzten Jahr) als Claude Christof Messner (z.B. WEST SIDE STORY/ Vereinigten Bühnen Bozen, DER GESTIEFELTE KATER /Oper Graz oder FAME /Theater Kiel) und Bettina Mönch in der Rolle der Sheila (z.B. Sally in CABARET in Bad Hersfeld, Evita in EVITA oder Kate in KISS ME KATE an der Oper in Bonn). Neu im Ensemble ist Merlin Fargel als Berger (statt Ricardo Greco im Vorjahr). Ihn kennt das Publikum zum Beispiel aus DAS WUNDER VON BERN, als TARZAN in Oberhausen und als Ché in EVITA in Bonn. Markus Schneider spielt in diesem Sommer (statt Nils Klitsch) Woof. Zuletzt trat er bei den Domfestspielen in Magdeburg als Riff in WEST SIDE STORY und in der Hauptrolle in dem Musical COMPANY an den Landesbühnen Sachsen auf. Außerdem erleben die Zuschauer in diesem Sommer neben den vielen wunderbaren Tänzern und Sängern, die sie im letzten Jahr schon sehen konnten, Dionne Wudu, Maike Merkel, Samantha Turton, Nicky Milford, Pascal Cremer, Stefan Zenker als neue Ensemblemitglieder. Begleitet werden die wunderbaren Sängerinnen und Sänger, Tänzerinnen und Tänzer wieder Abend für Abend live von der Band der Bad Hersfelder Festspiele unter Leitung von Christoph Wohlleben.

Als HAIR das erste Mal gezeigt wurde, war es eine Revolution. Statt Musical- und Operettenseligkeit brachte eine Generation ihre Themen und ihre Musik auf die Bühne.

Vor 51 Jahren, am 29. April 1968 feierte HAIR am (On-)Broadway Premiere. Rund 1800 mal wurde es alleine dort aufgeführt, bevor es seine Reise um die ganze Welt antrat. 1979 wurde HAIR durch Miloš Forman verfilmt. Der Film unterscheidet sich aber deutlich von der Musicalfassung.

„Harmonie und Verständnis, Sympathie und Vertrauen, keine Falschheit mehr oder Spott, lebendige Träume goldener Visionen …“ so heißt es im ersten Song, AQUARIUS. Ein neues Zeitalter „im Zeichen des Wassermanns“ wird angesprochen.

Bunt und lustvoll wird der Schrei der Jugend nach Befreiung und der Massenprotest gegen den Vietnam-Krieg inszeniert und die zu dem Zeitpunkt noch getrennten Welten von Rockmusik und Musiktheater wachsen zusammen.

Der Theaterkritiker Scott Miller schrieb damals: „Rassismus. Umweltzerstörung. Armut. Sexismus und sexuelle Repression. Gewalt in der Familie. Entfremdung von neuen Technologien und politische Korruption. Die Hippies sahen sich als die wahren amerikanischen Patrioten, die dieses Land retten wollten. Lange Haare waren ihr Emblem – nicht nur als Symbol der Rebellion, sondern auch gegen die Diskriminierung und die überkommenen Gender-Rollen.“*

Die Geschichte kreist um den jungen Claude Bukowski, den seine Eltern zum Militärdienst zwingen wollten. In New York stößt er auf eine Clique langmähniger Hippies, die einen alternativen Stil lebt. Claude findet sich in einer Dreierbeziehung wieder – zwischen der politisch engagierten Sheila und dem Anarchisten Berger. Und in dem Konflikt zwischen Kriegsdienst und Verweigerung. Die Vision von einer friedlicheren, besseren Welt endet letztlich in einem Albtraum, in dem die Schrecken des Krieges verdeutlicht werden.

Über 58 000 junge Amerikaner starben im Vietnam-Krieg, der erst 1975 zu Ende ging. Der kurze Sommer der Anarchie, von dem auch die Hippies in dem Musical HAIR singen, tanzen und träumen, hatte diesen Krieg trotz der Massenproteste nicht verhindern können.

50 Jahre später inszenierte Erfolgs-Regisseur Gil Mehmert 2018 HAIR in der Stiftsruine Zu seinen herausragenden Arbeiten gehören neben zahlreichen Musicals, darunter DAS WUNDER VON BERN in Hamburg, Bühnen-Bearbeitungen von Filmstoffen, aber auch aufwendige Open-Air-Produktionen wie die jeweils von ZDF bzw. WDR live übertragene Eröffnungsshow und das Finale der RUHR.2010. In Bad Hersfeld inszenierte Gil Mehmert SUNSET BOULEVARD im Sommer 2011 mit Helen Schneider, Rasmus Borkowski, Helmut Baumann und 2016 CABARET mit Bettina Mönch, Rasmus Borkowski, Helen Schneider und vielen anderen.

Zu seiner Inszenierung von HAIR in Bad Hersfeld sagt Regisseur Gil Mehmert: „Man kann HAIR nicht mehr so spielen, wie vor rund 50 Jahren. Aber man begibt sich immer auf dünnes Eis, wenn man sich an der Tagespolitik, oder zum Beispiel an Trump abarbeitet. Wir machen eine Ikonografie der 70er-Jahre. Es treten unter anderem Jimi Hendrix und Liz Taylor auf. Und wir zitieren natürlich Woodstock als DAS Happening dieser Zeit.“

Trotzdem ist der Stoff in seinen Augen so aktuell wie lange nicht: „Ich habe HAIR im Jahr 2001 schon mal inszeniert, und da kam es mir weiter weg vor. Bis zum Anschlag auf das World Trade Center lebten wir in politisch eher ruhigen Zeiten. Jetzt ist das anders, ganz besonders auch in den USA. Deshalb stellt sich jetzt wieder die Frage, wie sich gerade die junge Generation zum Weltgeschehen verhält.“

„Love and peace“ war das Motto der Hippie-Bewegung, viele der über 30 Songs aus HAIR wurden Hits. In Bad Hersfeld werden die Songs in englischer Sprache präsentiert, „weil die Songs eher Haltungen beschreiben und weniger die Handlung vorantreiben“, begründet Gil Mehmert diese Entscheidung. Gespielt wird aber auf Deutsch.

Im Programmheft zu HAIR 2018 in Bad Hersfeld schreibt der Regisseur: „Was ist HAIR in dieser Inszenierung? Eine Hommage an eine Generation, die für einen Sommer die Zeit angehalten hat mit ihren Gedanken und ihren Gefühlen. Eine Revue über Amerika und ihre Einflüsse auf Politik, Kultur und Gesellschaft. Eine Geschichte über eine Jugend, die wie jede Jugend vor und nach ihnen, Normen und Werte der Eltern und Älteren in Frage stellt, an den unmittelbaren Auswirkungen auf ihr Leben leidet und versucht ein Gegenmodell zu entwickeln.“

„Love and Peace“ ist also wieder das Motto in 13 Vorstellungen des Musicals HAIR in der Stiftsruine bis Ende August 2019.



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