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„Ein krasser Deal“ auf Kosten der Gesundheit Schlafforscher Vorster in hr-iNFO über Schlaf-Mythen und Gefahren

„Schlaf ist verteilt wie die Körpergröße. Manche brauchen ein großes T-Shirt in XXL, andere brauchen ein ganz kleines, und die meisten kommen mit M oder L aus.“ Das individuelle Schlafbedürfnis unterscheide sich so stark, dass man keine allgemeine Regel aufstellen könne, sagt Albrecht Vorster von der Uni Tübingen. Die richtige Menge Schlaf könne jeder selbst am besten im Urlaub ermitteln. Wie das funktioniert – und viele weitere Erkenntnisse zum Thema Schlaf – verrät er im Interview mit Mariela Milkowa in hr-iNFO.

Die meisten Schlafmythen sind „Quatsch“, aber nicht alle …
Dass Menschen bei Vollmond schlechter schlafen, „scheint nicht zu stimmen“, sagt der 34-Jährige. Eine andere volkstümliche Schlafregel findet er hingegen so überzeugend, dass er sie selbst fast täglich praktiziert: den Büroschlaf. „Ich mache meistens 15 Minuten Power Nap. Das ist nach Studien das Beste. Danach fühle ich mich einfach wieder fit und kann richtig durchstarten.“ Auf die vieldiskutierte Frage, ob das eingeschaltete Handy auf dem Nachttisch den Schlaf negativ beeinflusse, gebe die Wissenschaft keine eindeutige Antwort. Es sei jedoch gut, Handy und Fernseher eine Stunde vor dem Schlafengehen auszuschalten. Weiterhin empfiehlt Vorster folgendes: „Wir machen einen Termin mit uns selbst und schreiben am Küchentisch auf ein Blatt Papier, was uns gerade umtreibt. Das beschert einem ein sorgenfreies Einschlafen.“

Schichtarbeit – ein „krasser Deal“ auf Kosten der Gesundheit
In seinem Buch „Warum wir schlafen“ liefert der Forscher und Science-Slammer aber nicht nur Einschlaftipps und spannende Fakten zum Schlafverhalten von Menschen und Tieren. Er stieß bei der Recherche auch auf alarmierende wissenschaftliche Erkenntnisse: „Wenn wir 30 Jahre Schichtarbeiten, dann raubt uns das acht Jahre Lebenszeit. Das ist ein ziemlich krasser Deal, und die Leute werden darüber nicht vorher aufgeklärt.“

Als Wissenschaftler sieht sich Vorster in der Pflicht, die Gesellschaft gleichsam wachzurütteln: „Ist es moralisch vertretbar – nur damit Maschinen ausgelastet sind –, andere Menschen ihrer Lebenszeit und ihrer Lebensfreude zu berauben? “ Menschen, die Schicht arbeiten, seien dadurch oft gesellschaftlich isoliert, ihre innere Uhr „auf den Kopf gestellt, und das führt dazu, dass sie depressiv werden“. Vorster plädiert daher für strenge Regeln zum Schutz von Schichtarbeitenden. Kein Mensch sollte im ganzen Arbeitsleben mehr als sieben Jahre Schicht arbeiten, denn dann fingen die schweren Gesundheitsprobleme an.



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