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Pop-Oratorium „Da berühren sich Himmel und Erde“ – Uraufführung als emotionales Projekt

Kassel. Ein Elisabethoratorium in der Elisabethkirche. Noch dazu als Uraufführung mit evangelischen und katholischen Künstlern aus Kassel und Köln. Am 10. September hat „Elisabeth – Da berühren sich Himmel und Erde“ um 20 Uhr Premiere in Kassel. Wir sprachen mit der Schauspielerin Andrea C. Ortolano (Kassel), Bandleiter Thomas Quast (Köln) und Produzent Marcus Leitschuh (Kassel).

Frau Ortolano, Sie werden die Heilige Elisabeth spielen und haben auch deren Sprechtext geschrieben. Wie haben Sie sich diese schwierige Rolle erarbeitet?

Andrea C. Ortolano: Mich faszinieren immer schwierige, sperrige Charaktere- und als überzeugte Christin erst Recht die herausragenden christlichen Persönlichkeiten. Nachdem ich die Biografie der Elisabeth von Thüringen gelesen hatte, war mir klar, dass ich mir diese Figur erarbeiten wollte. ein vierjähriges Kind, eine ungarische Königstochter, wird entwurzelt, findet Aufnahme und Heimat am Fürstenhof und macht eine ungeheuerliche Wandlung durch.

Wie kam es zu der Idee?

Marcus Leitschuh: Bei einem Ruhama-Konzert viel mir auf, dass viele Lieder einen Bezug zum Leben der Heiligen Elisabeth haben. Ausschlaggebend war dann der wohl bekannteste Hit von Ruhama. „Da berühren sich Himmel und Erde“, das sagt alles über diese mittelalterliche Frau, die so aktuell ist.

Elisabeth starb als bekannteste Persönlichkeit ihrer Zeit im Alter von 24 Jahren in Marburg. Was wollen Sie dem Publikum mit Ihrer Darstellung vermitteln?

Andrea C. Ortolano: Die Wege des Herrn sind unergründlich, für uns selten zu verstehen und doch am Ende stimmig. Auch, wenn Elisabeth schon so jung stirbt, wage ich rückblickend trotzdem von einem Happy End zu sprechen.

Hinter Ruhama verbergen sich Profimusiker, die aber meist nicht als Profis arbeiten…

Thomas Quast: Seit inzwischen 25 Jahren sind wir bei jedem Kirchen- und Katholikentag dabei gewesen, haben bei vielen Groß-Gottesdiensten im Fernsehen mitgewirkt, so zum Beispiel beim Schlussgottesdienst des Ökumenischen Kirchentages 2003 in Berlin vor dem Reichstag. Über die Jahre haben wir 13 eigene CDs veröffentlicht, darunter auch ein Musikspiel und eine Musikrevue. Und haben lange Jahre mit dem Kabarettisten Hanns Dieter Hüsch Kabarett und Songs zusammengebracht. Unsere Lieder werden in ganz Deutschland von Bands und Chören gesungen und gespielt. Das alles funktioniert auch deshalb, weil Ruhama als Band nicht in erster Linie kommerziell arbeitet, sondern wir auch als inhaltliches „Dauerprojekt“ verbunden sind.

Ist „Ruhama“ eine katholische Band?

Thomas Quast: Ruhama versteht sich als ökumenisch und konfessionsübergreifend. Wir kommen ganz überwiegend aus der katholischen Tradition, zugleich ist seit mehr als zwanzig Jahren die evangelische Johanneskirche in Köln unsere „ökumenische Heimatgemeinde“. So spiegeln unsere Lieder auch das Engagement der Band für einen lebendigen, geschwisterlichen und solidarischen Glauben wider – und für eine ökumenische Kirche.

Was bedeutet für Sie als Schauspielerin das Format „Pop-Oratorium“ und die Zusammenarbeit mit der Band „Ruhama?

Andrea C. Ortolano: Ich freue mich sehr auf diesen Gegenpol: die fröhliche, teils mitreißende Musik der Band, die ein musikalisches Zeugnis ablegt und die erst kindlich-heitere und am Ende recht fanatische junge Elisabeth, deren Leben eine eher beklemmende Wandlung nimmt – und die für ihre Liebe zu Christus ihr Leben opfert.  Das Pop-Oratorium wird unser Leben widerspiegeln: ein Gemenge aus Schwerem und Leichtem, zu ertragen durch den Glauben.

Was versteckt sich hinter dem Begriff „Pop-Oratorium“? Bach meets Beat?

Thomas Quast: Mit den stilistischen Mitteln der Popmusik wird in einer Abfolge von Spiel- und Singszenen ein spirituelles und religiöses Thema in Szene gesetzt: Das ist ein Pop-Oratorium. Also weniger Bach, dafür aber viel Beat und beatgenerierte und beatassoziierte Musik. So wie Bach heute vielleicht komponieren würde. Musik und Songs, Schauspiel, Texte und Lichtinstallation verbinden sich zu einem Erlebnis im Kirchenraum.

Wird das ein Konzert, ein Musical, soll man mitsingen?

Thomas Quast: Es wird ein Konzert und Oratorium zum Zuhören und Mitsingen. Bei den Songs gibt es neben solistischen Facetten viele Mitsingpassagen. Dafür wird ein Liedblatt ausgeteilt, das zum Mitsingen einlädt. So wie es bei den Oratorien von Bach ja auch große Chorpassagen gibt, bilden bei uns die Zuhörer diesen Chor.

Welchen Bezug hat Ruhama zu Nordhessen und Kassel?

Thomas Quast: Als Kölner Band sind wir insbesondere im Rheinland unterwegs, seit unseren Anfängen vor mehr als 25 Jahren zugleich aber auch schon im ganzen Bundesgebiet aufgetreten. Allerdings sind wir in der Region bisher nur bis Fulda gekommen. Nach Kassel kommen wir erstmals und freuen uns sehr auf die Uraufführung unseres „Elisabeth-Oratoriums“ in der Elisabethkirche. Die Verbindung nach Kassel besteht nicht zuletzt durch die langjährige Zusammenarbeit mit unserem Kasseler Freund und Autorenkollegen Marcus Leitschuh.

Sie hatten die Idee und produzieren die Uraufführung. Was bedeutet das?

Marcus Leitschuh: Die Uraufführung wird von mir ehrenamtlich als Gemeindemitglied von St. Elisabeth organisiert, kostet aber trotzdem 8000-10000 Euro. Ich bin sehr froh, dass durch die Unterstützung der Bank für Kirche und Caritas, der Akademie der  Bruderhilfe Pax Familienfürsorge, des Bonifatiuswerkes der Deutschen Katholiken und der Firma „Real Audio“ das Projekt möglich wird. Wir nehmen keinen Eintritt, damit es auch wirklich alle Interessierten sich leisten können, hoffen aber auf Spenden.

Neben Ihnen wirkt auch noch der Kasseler Pfarrer Reiner Degenhardt als Kirchenführer mit. Das klingt nach einem spannenden Projekt…

Marcus Leitschuh: Es ist auch deshalb so aufregend, weil es keine gemeinsame Generalprobe geben kann. Alle Teile – Text, Musik, Licht – kommen erstmals bei der Uraufführung zusammen. Dadurch wird sich die Neugier und kreative Spannung zwischen Zuschauern und allen Künstlern abspielen, denn alle erleben auch emotional das Zusammenspiel das erste Mal und live. Es gibt kein fertiges Musiktheaterstück, das nur vorgespielt wird. Es wird gemeinsam etwas geschaffen, inklusive der mitsingenden Zuschauer.

Kassel erlebt die Uraufführung des Stückes. Warum sollte man sich das nicht entgehen lassen?

Andrea C. Ortolano: Nun, erstens hatte Marcus Leitschuh mit dem Pop-Oratorium eine grandiose Idee und hat sein Projekt noch dazu glänzend besetzt. Und Elisabeth ist heute noch immer aktuell: Sich selbst treu bleiben, ein Vorbild sein, Spuren hinterlassen, die linke Hand nicht wissen lassen, was die Rechte tut – wer strebt nicht danach? Unsere Welt wäre eine bessere, wenn es mehr Menschen und vor allem Politiker gäbe, die sich das zum Prinzip machen. Und so wollen wir unser Publikum mit diesem Stück erfreuen, verzaubern und berühren, denn wo Menschen sich begegnen…

„Elisabeth – Da berühren sich Himmel und Erde“

Samstag, 10. September um 20 Uhr
Kath. Kirche St. Elisabeth
Friedrichsplatz 13, Kassel – gegenüber dem Staatstheater
Eintritt frei. (wer / 18. August 2011)



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