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664-Bildungs- und Erziehungsplan

Hessischer Bildungs- und Erziehungsplan stößt Veränderungen auf vielen Ebenen an

Seit Anfang 2014 gibt es eine BEP Fachberatung beim Landkreis Fulda. Hinter den drei Buchstaben BEP verbirgt sich der Hessische Bildungs- und Erziehungsplan, der sukzessive in Kindertagesstätten und Grundschulen umgesetzt wird. Dass BEP nicht nur ein Plan ist, sondern auch eine Haltung, wissen die Mitarbeiterinnen der Fachberatung. Im Interview ziehen Karin Günther, Katrin Kister und Manuela Bienert eine vorläufige Bilanz und geben einen Ausblick auf das Jahr 2016.

Das Jahr neigt sich dem Ende entgegen. Wie war das Jahr aus Sicht der Kindergartenfachberatung?
Katrin Kister: Wir sind sehr  zufrieden mit dem, was wir in Zusammenarbeit mit den Kindergärten in 2015 umsetzen konnten. Es hat sich einiges bewegt. Im Frühjahr 2014 haben wir damit angefangen, Kindergärten zum Hessischen Bildungs- und Erziehungsplan(BEP)  zu beraten. In 2014 waren es etwa 30 Kitas, die die Beratung in Anspruch genommen haben. In diesem Jahr waren es 56.  Wir haben jede Einrichtung mindestens drei Mal besucht, denn unser Ziel ist es, Prozesse zu begleiten und die Kitas kontinuierlich zu beraten.

Wie sehen denn Beratung und Begleitung aus?
Karin Günther: Wir verschaffen uns einen Überblick über die  Ist-Situation, hören uns Ideen und Visionen an und arbeiten gemeinsam mit den Teams. Dabei zeigen  wir den Erziehungsfachkräften die Möglichkeiten und Chancen, die der BEP bietet, auf. Außerdem schauen wir, was sich im Zuge des Prozesses in den Kitas bewegt. Wir nehmen Stolpersteine wahr und bieten den Erzieherinnen die Möglichkeit zur Reflektion. Für eine zielführende Zusammenarbeit braucht es Zeit und auch einen Rahmen, damit es möglich ist, tiefer in die verschiedenen Themen einzusteigen. Unsere Begleitung zielt auch darauf ab, zur Veränderung zu ermutigen. Weil der Veränderungsprozess und die Weiterentwicklung der Arbeit aber nur gemeinsam mit den Familien erfolgen kann, veranstalten  wir auch Fachtage und sind bei Elternabenden vertreten.

Welche Veränderungen sehen oder erleben  sehen Sie in den Einrichtungen?
Manuela Bienert: Man merkt deutlich,  wie die Kitas Schritt für Schritt ihr Konzept überdenken. Die Erzieherinnen reflektieren den Alltag, hinterfragen Ziele und entwickeln Visionen mit dem BEP als Grundlage. Ein großes Thema ist das Bild vom Kind, aber auch wie Erzieherinnen ihre Rolle in der heutigen Zeit ausfüllen können. Dabei  werden pädagogische Themen und Umsetzungsmöglichkeiten diskutiert.
Karin Günther: Ich erlebe, dass sich die inhaltliche Arbeit mit den Kindern in den Einrichtungen verändert. Viele Kitas haben nach sehr festen und strukturierten Plänen gearbeitet. Da findet jetzt vielfach eine Öffnung statt. Es wird  mehr danach geguckt, welches Thema ein Kind hat  und weniger danach, ob etwas gemacht werden muss, weil es der Jahresplan so vorgibt.

Der BEP ist auch ein Plan, lässt aber Gestaltungsspielräume?
Katrin Kister: Hinter dem BEP steht eine Haltung. Die Grundlage unserer Beratungen ist es, dass die Erzieherinnen eine Haltung finden, wie sie die Pädagogik im Alltag leben wollen. Und wenn diese Haltung erstmal da ist, gibt es ganz viele Möglichkeiten.

Können Sie Haltung in diesem Zusammenhang näher beschreiben?
Karin Günther: Der Hessische  Bildungs- und Erziehungsplan legt sehr viel Wert auf die Individualität des Kindes und auf das gemeinsame Lernen und Tun der Kinder untereinander, aber auch mit den Erwachsenen. Der BEP unterstützt ein neues Selbstverständnis der Erziehenden, die sich eher als diejenigen verstehen dürfen, die einladen, beobachten und einen Rahmen schaffen.

Wer nach dem BEP arbeitet, wird auch finanziell gefördert, richtig?
Manuela Bienert: Ja. Kitas, die nach dem Bildungs- und Erziehungsplan arbeiten, werden gefördert. Die Bürgermeister können eine Qualitätspauschale in Höhe von bis zu 100 Euro pro Kind pro Jahr beim Land Hessen beantragen. Die Arbeit nach dem Hessischen Bildungs- und Erziehungsplan muss dabei über die Konzeption und die Zusammenarbeit  mit einer anerkannten Fachberatung nachgewiesen werden. Alternativ können Kitas mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der dazugehörigen Grundschule an einer Tandemfortbildung teilnehmen.

Wie blicken Sie ins neue Jahr?
Günther: Optimistisch. Wir freuen uns darüber, dass schon jetzt zahlreiche Kitas zurückgemeldet haben, auch in 2016 weiter mit uns zusammenarbeiten zu wollen.
Kister: In diesem Jahr wurde sehr viel angestoßen. Wenn wir den Prozess im nächsten Jahr weiter begleiten können, ist das auch ein Beitrag zur Nachhaltigkeit.



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Politik & Wirtschaft