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Muslimisches Begräbnisfeld auf Westfriedhof eingeweiht

Fulda. Was im Großen oft nicht zu gelingen scheint, hinterlässt im Kleinen seine bleibenden Spuren. So wie bei der Einweihung des neuen muslimischen Begräbnisareals auf dem Fuldaer Westfriedhof. Muslime, Christen und Juden begegneten sich zu einem „Akt der Akzeptanz“, zu einem Beispiel praktizierter Integration, wie es Galib Akin, Attache für religiöse Angelegenheiten, formulierte.

Fotos (5): Harald März

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Noch deutlicher sprach Akin die alle verbindende Wahrheit an. „Irgendwann werden wir alle vor Gott stehen. Da spielt es keine Rolle mehr, ob wir schwarz oder weiß, Christen, Juden oder Muslime sind.“ Symbolträchtiger und hoffnungsvoller hätte die Feier auf dem muslimischen Friedhofsteil nicht sein können, auf dem nach den Vorstellungen der Friedhofsplaner in den nächsten Jahrzehnten rund 300 verstorbene Muslime ihre letzte Ruhe finden können.

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Groß war das Interesse an der Einweihungsfeier nicht nur unter den Muslimen selbst. Viele Gäste, unter ihnen auch Fuldas früherer Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Hamberger, waren auf das Gelände des ehemaligen Airfield Sickels gekommen, um eine bewegende Feier und ein Novum in der Stadtgeschichte mit zu erleben. Weit zurück reichen die Überlegungen, eine eigene muslimische Begräbnisstätte in Fulda einzurichten.

Bislang sind die Verstorbenen in der Regel in ihre Heimatländer überführt worden. Schlichte Mustergrabstätte mit einer hölzernen Totentafel und Blumenschmuck geben schon jetzt ein wenig von dem Eindruck wieder, wie der muslimische Friedhof in Zukunft aussehen wird. Im 1. Abschnitt sind 30 Bestattungen vorgesehen. Die Entstehensgeschichte des muslimischen Friedhofs ließ Fuldas Oberbürgermeister Gerhard Möller in seiner Rede Revue passieren. Besonders dankte er Cevdet Akin für sein beharrliches Bemühen um die Verwirklichung dieser Begräbnisstätte für Muslime.

Die Einweihungsfeier sei deshalb auch sein besonderes Ereignis. Mit einem Zitat von Konfuzius sprach Möller seinen Zuhörern aus dem Herzen. Von dem großen chinesischen Philosophen stammt das Wort: „So wie ein Volk seine Toten verehrt, so offenbart sich seine Seele vor Dir.“ Der neue Friedhof stehe dafür, wie sehr die Verstorbenen den Lebenden am Herzen liegen. Die Einweihungsfeier zeige auch, wie die Religionen friedlich miteinander leben.

Zum Miteinander in der Gemeinschaft sagte Möller, „wir leben und arbeiten im Geist der Wertschätzung zusammen und ehren unsere Toten“. Auch Galib Akin griff Möllers Bild vom friedlichen Zusammenleben auf. Er erinnerte an die Begegnung des Propheten Mohamed mit einem Leichenzug. Dem Verstorbenen, einem Juden, erwies der Prophet die letzte Ehre. Als er darauf angesprochen wurde, fragte er zurück: „Handelt es sich nicht um eine Menschenseele?“ Die Anlage eines neuen Friedhofs für Muslime sei eine „Ehrerbietung vor der Tradition von Menschen, die sich seit 40 Jahren für den Wohlstand dieses Landes einsetzen.

In Zukunft werde er Fulda gerne erwähnen, weil mit dem muslimischen Friedhof Integration praktiziert werde. Akins Dank galt all jenen, die zur Verwirklichung des Begräbnisareals beigetragen haben. An die Geschichte türkischer Friedhöfe auf deutschem Boden erinnerte Bekir Alboga vom Dachverband der Türkisch-Islamischen Union in Köln. Vor 141 Jahren hatte Kaiser Wilhelm I. in Berlin einen Friedhof für türkische Diplomaten anlegen lassen, auf dem später türkische Soldaten des 1. Weltkriegs ihre letzte Ruhe fanden.

In den zurückliegenden sechs Jahrzehnten seien viele türkische Gastarbeiter nach Deutschland gekommen. Sie hätten ihre Religion und Identität bewahrt. Deutschland sei jedoch zu ihrer zweiten Heimat geworden. „Wir sind heute hier, weil wir den Muslimen und ihren Bedürfnissen entsprechen“, sagte Alboga. Der Friedhof sei eine Zwischenstation für den Menschen auf seinem Weg ins jenseitige Leben. Der Friedhof sei deshalb ein wichtiger Ort, weil die Hinterbliebenen ihre Familie in übertragenen Sinne sehen könnten. Deshalb dürfe dieser Ort nicht vom Leben abgekoppelt werden.

„Wir halten die Toten lebendig, wenn wir uns an sie erinnern“, betonte Saeed Gessler, stellvertretender Vorsitzender der Ahmadiyya Muslim Gemeinde in Deutschland. Seine Gemeinschaft zählt deutschlandweit rund 30.000 Mitglieder. Seit 20 Jahren gibt es die Ahmaddiyya Muslim Gemeinde auch in Fulda, die derzeit 35 Mitglieder zählt.

Im Namen der 4.000 muslimischen Einwohner Fuldas dankte Ramazan Taktak von der Türkisch-Islamischen Union Oberbürgermeister Möller und allen Mitwirkenden für die Realisierung des Friedhofs. Der OB sei immer „hilfreich und entgegenkommend gewesen“, betonte Taktak und unterstrich den Wunsch der Muslime nach einem eigenen Friedhof und entsprechendem Bestattungswesen.

Symbolischer Schlussakkord der Einweihungsfeier war die Enthüllung des „Grundsteins“ für den muslimischen Friedhof, auf dem in türkisch, arabisch und deutsch zu lesen ist: „Jeder wird den Tod erleiden. Dann kehrt ihr zu mir zurück“



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